Fünf Fragen an: Michael Menrad
„Die Preise in jedem Fall absichern“

Die Preise an den internationalen Rohstoffmärkten sind stark gefallen. Michael Menrad, Leiter Derivate für institutionelle Kunden bei der DZ Bank, spricht im Interview mit dem Handelsblatt über seine Prognose für das kommende Jahr und ob es für Unternehmen sinnvoll ist, sich die niedrigen Rohstoffpreise heute schon zu sichern.

Die Preise an den internationalen Rohstoffmärkten sind stark gefallen. Was erwarten Sie für das nächste Jahr?

Wir erwarten 2009 ein weiter sehr volatiles und ereignisreiches Rohstoffjahr mit unterschiedlichen Preisentwicklungen bei den verschiedenen Rohstoffen. Bei Rohöl rechnen unsere Analysten noch in diesem Monat mit fallenden Rohölpreisen, allerdings auch mit einer weiteren Produktionskürzung der Opec, die den Rohölpreis im ersten Halbjahr 2009 wieder über das Niveau von 60 Dollar je Barrel führen sollte. Zum Jahresende 2009 sehen wir ein Barrel Brentöl bei 78 Dollar. Bei Aluminium hingegen hat die derzeit äußerst schwache Automobil-Konjunktur den Preis deutlich unter seine marginalen Grenzkosten gedrückt. Erst mit anziehender Nachfrage und sinkenden Lagerbeständen im zweiten Halbjahr 2009 ist wieder mit moderat steigenden Preisen zu rechnen, die gegen Jahresende 2009 das Niveau von 2 500 Dollar je Tonne erreichen sollten.

Eine Absicherung gegen steigende Rohstoffpreise oder Währungsschwankungen ist bei vielen Unternehmen inzwischen üblich. Jetzt fallen die Preise. Ergibt es für Unternehmen Sinn, sich die niedrigen Rohstoffpreise heute schon zu sichern?

Der Frage liegt die Hoffnung zugrunde, zum absoluten Tiefpunkt zu kaufen und auf dem Höchststand zu verkaufen. Auch bei den Rohstoffmärkten gilt, dass die Bestimmung dieser Punkte kaum möglich ist. Wir halten jeden Zeitpunkt für richtig, Rohstoffpreise abzusichern - unabhängig vom jeweils aktuellen Preisniveau. Hierdurch sind im Sinne einer risikobewussten kaufmännischen Geschäftsführung im operativen Geschäft verlässlich Preise und Margen kalkulierbar. Offene Positionen, die später günstiger eingedeckt werden können, sind erfreulich, fallen jedoch in den Bereich der Spekulation - mit entsprechenden negativen Konsequenzen, wenn die Erwartung fallender Preise nicht erfüllt wird.

Für welche Unternehmen ist die Absicherung von Rohstoffpreisen überhaupt interessant?

Grundsätzlich für Unternehmen, deren Geschäftsmodell feste Preise im Verkauf und variable Preise im Einkauf vorsieht. Zunehmend ist die Rohstoffpreisabsicherung auch ein Thema für den Mittelstand - nicht nur für klassische Rohstoffe wie Basismetalle, Agrarrohstoffe und Öl, sondern vermehrt auch für andere nicht börsengehandelte Rohstoffe wie Diesel, Altpapier, Polyethylen oder Gas.

Einige Unternehmen sind durch ihr sogenanntes Hedging "bestraft" worden. Wurden da Fehler gemacht?

Sicherlich kann ein Hedge auch nachteilig sein, wenn zum Beispiel Preisgleitklauseln im Geschäftsmodell des Kunden bestehen. Hier sind Swaps und Futures nur im beschränktem Maße geeignet. In solchen Fällen empfehlen wir optionale Strategien, bei denen man auch von fallenden Preisen profitieren kann. Dennoch sollten Preisabsicherungen in jedem Fall vorgenommen werden. So sind zum Beispiel Fluggesellschaften die nicht gehedged haben, das Risiko gelaufen, sich bei einem Rohölpreis von 150 Dollar pro Barrel keine Tankfüllung mehr leisten zu können.

Welche Möglichkeiten oder Strategien zur Absicherung gibt es?

Es gibt auf Kundenbedürfnisse individuell zugeschnittene Absicherungen als Swap oder mit optionalen Komponenten. Hiermit können Unternehmen beispielsweise ihren individuellen monatlichen Bedarf währungsgesichert absichern, auch bei Rohstoffen, die nicht an Börsen gehandelt werden. Für Unternehmen, die dies nicht benötigen, gibt es eine breite Palette von Standardprodukten, die über die Derivatebörsen gehandelt werden.

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