Fünf Fragen an Thomas Klebe: „Stellenabbau ist nicht akzeptabel“

Fünf Fragen an Thomas Klebe
„Stellenabbau ist nicht akzeptabel“

Thomas Klebe ist IG-Metall-Vertreter im Aufsichtsrat bei Daimler-Chrysler. Im Interview spricht er über den neuen Chef Dieter Zetsche und über den geplanten Stellenabbau.

Handelsblatt: Daimler hat die Streichung von über 14 000 Jobs angeordnet – ohne große Proteste. Steckt die Arbeitnehmerseite in der Defensive?

Thomas Klebe: Der Eindruck täuscht. Wir haben bereits 2004 einen Zukunftsvertrag bei Daimler abgeschlossen, der betriebsbedingte Kündigungen bis 2011 ausschließt und zusätzliche Investitionen garantiert. Dennoch will der Vorstand von Daimler-Chrysler Tausende von Arbeitsplätzen streichen. Wir lehnen diese Pläne ab. Herr Zetsche hat einfach Kopfzahlen in den Raum gestellt, ohne bisher zu erklären, wie er darauf kommt. Wir werden deshalb beim notwendigen Interessenausgleich in jedem Betrieb jede dieser Ziffern hinterfragen – und ich will nicht ausschließen, dass wir die Belegschaft mobilisieren, um die Zahlen zu korrigieren.

Muss sich Zetsche auf einen Konfrontationskurs einstellen?

Wir haben ein sachbezogenes Verhältnis zu Herrn Zetsche. Er darf allerdings die Bereitschaft von Betriebsräten und IG Metall zur Veränderung auch nicht überbeanspruchen. Sein Vorgehen beim Stellenabbau ist nicht akzeptabel. Deshalb haben wir hier einen ernsten Konflikt.

Hat sich das Machtgefüge bei Daimler unter Zetsche verschoben?

Das glaube ich eigentlich nicht. Ich habe Herrn Zetsche als Teamplayer erlebt. Das sind keine einsamen Entscheidungen von ihm. Er hat sicher einen anderen Führungsstil als sein Vorgänger Schrempp. Ich sehe aber nicht, dass dies unmittelbar mit einer Machtverschiebung verbunden wäre.

Ex-Daimler-Vorstand Manfred Gentz hat kürzlich die Mitbestimmung als schädlich kritisiert. Ist das System krank?

Mich hat das schon sehr gewundert. Herr Gentz hat ja sogar von Mauscheleien mit den Betriebsräten gesprochen. Das ist nicht die Realität bei Daimler. Er schießt da weit über das Ziel hinaus. Es gibt Konflikte zwischen der Arbeitnehmer- und Kapitalseite, an deren Ende häufig ein Kompromiss steht. Ich finde das normal.

Gegen Daimler-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper wird ermittelt, weil er den Großaktionär Deutsche Bank vorab über den Führungswechsel informiert haben soll. Was halten Sie davon?

Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Wenn es wirklich nur darum geht, dass der Aufsichtsratsvorsitzende den Hauptanteilseigner vorab darüber informiert, dass der Vorstandsvorsitzende wechselt, kann ich darin nichts Anrüchiges und Strafbares erkennen.

Die Fragen stellte Carsten Herz.

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