
cmu/sht/tel/mwb ULM. Aus dem monatelangen Übernahmekampf um den Ulmer Generikahersteller Ratiopharm geht der weltgrößte Generikahersteller Teva Pharmaceutical als Sieger hervor. Das israelische Unternehmen übernimmt für 3,6 Mrd. Euro mit Ratiopharm die Nummer zwei auf dem deutschen Generikamarkt. Bis zuletzt waren noch der Pharmakonzern Pfizer und die isländische Actavis im Rennen gewesen.
Teva-Chef Yanai sagte: "Diese Transaktion fügt sich perfekt in unsere langfristige Strategie ein, in der Europa eine wichtige Säule und ein entscheidender Wachstumstreiber ist." Ratiopharm biete dem Unternehmen eine ideale Plattform zum Ausbau der Führungsposition auf den europäischen Schlüsselmärkten - allen voran Deutschland, aber auch auf den Wachstumsmärkten Spanien, Italien und Frankreich.
Die Merckle-Vermögensverwaltung VEM hatte zuvor überraschend zu einer Pressekonferenz zum Verkauf ihres Arzneimittelherstellers eingeladen.
Carsten Kunold, Analyst bei der Münchener Privatbank Merck Finck & Co, hält den Verkauf für einen guten Deal. Seiner Ansicht nach profitieren beide Seiten: Merckle habe einen ordentlichen Kaufpreis erzielt und müsse nun wahrscheinlich seinen Pharmagroßhändler Phoenix nicht mehr verkaufen. Teva verfüge jetzt über ein festes Standbein in Europa und könne seine Präsenz auf dem europäischen Markt ausbauen. "Die waren bisher faktisch nicht hier vertreten", sagt er. Das habe sich nun auf einen Schlag geändert.
Die israelische Teva Pharmaceutical, die weltweite Nummer eins auf dem Markt für Nachahmermedikamente (Generika), will Ulm nach früheren Aussagen von Teva-Chef Shlomo Yanai und Europa-Chef Gerard van Odijk zur "Drehscheibe des Europageschäfts" machen. Mit einem Umsatz von 13,9 Milliarden US-Dollar ist Teva erstmals unter die 15 größten Arzneimittelhersteller weltweit vorgerückt. Bis 2015 soll sich der weltweite Umsatz auf 31,2 Milliarden Dollar verdoppeln, in Europa auf 9,2 Milliarden fast verdreifachen. In Deutschland ist das Unternehmen nur mit einem Marktanteil von deutlich unter 5 Prozent vertreten.
Mit dem Ratiopharm-Kauf würde Teva in Europa die Nummer eins. Mit der Ratiopharm-Übernahme stemmt der israelische Generikakonzern nach der Übernahme von Barr Pharmaceuticals im Jahr 2008 für 5,1 Milliarden Euro die zweite Milliardenübernahme in nur zwei Jahren. Teva habe bei der Präsentation vor einer Führungsriege von Ratiopharm auf die langjährige Erfahrung mit Großübernahmen überwiesen. Alles in allem hat der Konzern seit 2003 mehr als fünf Milliarden Dollar Umsatz zugekauft und dafür über 18 Milliarden Dollar ausgegeben.
Neben Teva hatten der US-Pharmariese Pfizer und der isländische Generikahersteller Actavis um Ratiopharm gebuhlt. Alle drei Finalisten hatten unlängst bereits in Ulm vor einem Kreis von etwa 50 Ratiopharm-Führungskräften ihre Vorstellungen zur Zukunft des Unternehmens präsentiert. So will Pfizer mit dem Zukauf Kreisen zufolge das Generikageschäft in Europa deutlich ausbauen. Demnach ist geplant, die Produktionskapazitäten von Ratiopharm zu erweitern. Das Unternehmen soll bei Pfizer Teil des Bereichs Established Products (EPBU) werden und dort Keimzelle für das Generikageschäft in Europa sein.
´
bald wird auch noch die letzte deutsche Firma ins Ausland verkauft. Wo soll das noch hinführen? Kann man in Deutschland keine eigene industrie mehr halten? Da muss dringend etwas geschehen.
1 Kommentar
Alle Kommentare lesen