Für Arznei-Studien
Merck sucht Finanzierungs-Partner

Mehrere Medikamente des Pharmakonzerns Merck sind zuletzt gefloppt. Jetzt spart das Unternehmen und hält nach Partnern Ausschau, mit denen es bei klinischen Studien finanziell kooperieren kann.
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FrankfurtNach einer Reihe von Rückschlägen in der Forschung setzt der Darmstädter Pharmakonzern Merck auf die Hilfe von Partnern zur Finanzierung der teuren klinischen Studien. Merck habe dazu unter anderem Gespräche mit Finanzinvestoren geführt, sagte der Leiter des Medizingeschäfts, Stefan Oschmann, der „Financial Times“. Er erwäge zudem weitere Vereinbarungen zur Risikoteilung, bei denen Merck eine vom Erfolg eines Produkts abhängige Gebühr einstreicht. Als Beispiel nannte der Manager Produkte zur künstlichen Befruchtung.

Die Pharmasparte Merck Serono sucht derzeit mit Nachdruck nach neuen Wachstumsmöglichkeiten, verstärkt auch in Schwellenländern, nachdem gleich mehrere Hoffnungsträger in spätklinischen Studien gefloppt waren. Deshalb ist nicht nur der Nachschub mit neuen Medikamenten derzeit spärlich, auch laufen ab Mitte des Jahrzehnts Patente von Medikamenten ab, die Merck guten Umsatz bringen. Doch die Entwicklung neuer Arzneien kostet viel Geld. Da kämen Merck finanzkräftige Investoren gelegen, zumal der Konzern mitten in einem Sparprogramm steckt. So sollen allein in der Pharmasparte bis Jahresende die Kosten um 250 Millionen Euro gesenkt werden.

Angesichts der hohen Kosten der Forschung sei eine Ko-Finanzierung ein sehr attraktives Modell, sagte Oschmann. Eine spätklinische Studie mit einem Krebsmedikament koste üblicherweise zwischen 150 und 400 Millionen Euro, bei Multiple-Sklerose-Medikamenten sogar bis zu 600 Millionen Euro. In beiden Bereichen ist das von der Familie Merck beherrschte Unternehmen mit seinen Top-Arzneien Erbitux und Rebif vertreten. Analysten rechnen aber damit, dass die Kassenschlager ihren höchsten Umsatz 2013 beziehungsweise 2014 erreichen werden.

Eine Beteiligung von Finanzinvestoren an der Pharmaforschung wäre ein ungewöhnlicher Schritt. Bislang haben diese eher einen großen Bogen um das mit großen Risiken behaftete Geschäft gemacht, das viel Wissen über Medizin und die regulatorischen Rahmenbedingungen voraussetzt. Analysten der Deutschen Bank schätzen, dass spätklinische Studien im Schnitt über 35 Prozent der gesamten Forschungs- und Entwicklungskosten eines Pharmaunternehmens auffressen.

Die Aktionäre reagierten am Montag mit Verkäufen auf die Pläne. Mit einem Minus von 0,8 Prozent zählten die Merck-Papiere am Mittag zu den größten Verlierern im Dax.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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