Für das Bremer Unternehmen gibt es viele Interessenten
BAE kurz vor Verkauf von Atlas Elektronik

BAE Systems steht offenbar kurz vor dem Verkauf des Bremer Unternehmens Atlas Elektronik. Nach Informationen des Handelsblatts aus Industriekreisen wird erwartet, dass der britische Rüstungskonzern bereits Anfang Juli den Verkaufsprozess, den die Deutsche Bank begleitet, einleitet. Der Termin wurde allerdings schon mehrfach verschoben.

tom/ebe DÜSSELDORF. Atlas, ein Elektronik-Spezialist im Marineschiffbau, ist eine hundertprozentige Tochter von BAE und gilt als eine Perle in der Branche. Über seine Zukunft spekuliert die Industrie schon lange. BAE-Chef Mike Turner hatte auf der Pariser Luftfahrtausstellung in der vergangenen Woche erstmals öffentlich bestätigt, die Bremer Tochter verkaufen zu wollen. BAE hat dafür allerdings keinen genauen Zeitpunkt bekannt gegeben. Der Konzern will derzeit seine gesamten Marinekativitäten umstrukturieren und braucht zudem Geld, um wie geplant den Ausbau des Geschäfts in den USA zu finanzieren.

Inzwischen laufen sich daher auch die möglichen Käufer für Atlas warm: „Wir haben großes Interesse an Atlas Elektronik, sagt Stefan Zoller, Leiter des Bereichs Verteidigungs- und Kommunkationssysteme bei EADS, der auch als der aussichtsreichste Anwärter für den Posten des Rüstungschefs bei dem europäischen Konzern gilt. EADS macht nach eigenen Angaben derzeit etwa eine Mrd. Euro Umsatz im Marinegeschäft, davon aber lediglich 100 Mill. Euro in Deutschland.

In Zollers Szenario spielt auch Thyssen-Krupp eine wichtige Rolle. Der Konzern hat unter dem Dach der Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) im vergangenen Jahr einen Werftenverbund geschaffen, zu dem unter anderem auch die Kieler Werft HDW zählt. Eine Übernahme von Atlas sei nur mit Einbeziehung von Thyssen-Krupp möglich, so Zoller: „Wir wollen für die Werften eine tragfähige, eine ideale Lösung finden“, dazu müsse auch die Bundesregierung einbezogen werden.

Die hat über das neue Aussenwirtschaftsgesetz auch ein klares Mitspracherecht bei dem Verkauf, weil der Sitz von Atlas in Deutschland liegt. Die deutsche Politik verfolgt die Entwicklung um Atlas sehr aufmerksam: Das Traditionsunternehmen soll möglichst unter deutsche Kontrolle kommen. An heimische Firmen sei daher schon die Bitte ergangen, einen Kauf von Atlas zu prüfen, heißt es in Industriekreisen. Thyssen sondiere bereits den Markt.

„Atlas ist ein spannendes Thema geworden“, sagte kürzlich der im Wirtschaftsministerium für den Marinebereich zuständige Staatssekretär Georg Wilhelm Adamowitsch, „wir haben da klare Vorstellungen.“ In der deutschen Politik ist derzeit die Skepsis über eine europäische Konsolidierung der Marinewerften vor allem unter Einschluss der noch staatlichen französischen Werft DCN sehr groß. Denn: „Die Franzosen wollen ganz klar die Führung haben“, heißt es in der Industrie.

Doch auch Thales zählt zum engeren Kreis der Interessenten für Atlas. Der französische Rüstungs- und Elektronikkonzern, der international bereits zu den führenden Anbietern von Marine-Elektronik zählt, will seine Position in dem Bereich weiter ausbauen. Um den Einstieg bei Atlas auch politisch zu erleichtern soll das Geschäft über die Tochter Thales Deutschland laufen, erfuhr das Handelsblatt aus unternehemensnahen Kreisen. Thales sei zudem einverstanden, wenn Thyssen die Mehrheit an Atlas halte. Bereits heute ist Thyssen im Überwasserschiffbau ein wichtiger Kunde von Thales.

Auch der italienische Finmeccanica-Konzern hat jetzt Interesse an Atlas bekundet. „Dass Thyssen aber mehr als einen Partner akzeptiere ist sehr unwahrscheinlich“, sagt ein hoher deutscher Rüstungsmanager. Wie hoch der Preis für Atlas liegt, ist noch offen. In Branchenkreisen kursieren dreistellige Millionenbeträge.

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