Fürstenreich
Die Monaco AG

Fürst Rainier III. hat den Stadtstaat am Mittelmeer nach eigener Aussage zu einer Geldpumpe gemacht. Unter Sohn Albert verliert die Expansion der Monaco AG an Tempo. Die Hochzeit des Fürsten soll neuen Schwung bringen. Umso gereizter reagiert der Palast daher auf die Gerüchte, dass die Braut vor der Hochzeit das Weite suchen wollte.
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Paris/DüsseldorfAuf den ersten Blick herrscht Fürst Albert II. über ein kleines Reich: Monaco ist mit 2,02 Quadratkilometern nicht einmal halb so groß wie der Englische Garten in München und damit nach dem Vatikan der zweitkleinste Staat der Welt.

Doch es wäre vorschnell, das Staatsoberhaupt deshalb zu unterschätzen. Denn Albert übernahm von seinem Vater, dem Fürsten Rainier III., nach dessen Tod im Jahr 2005 die Position, die Rainier als die des „Aufsichtsratschefs der Monaco AG“ definierte. Also die eines Familienkonzerns, der im vergangenen Jahr (ohne Banken und Finanzdienstleister) einen Umsatz von 12,1 Milliarden Euro erwirtschaftete. Das Fürstentum dürfte der einzige Staat der Erde sein, der neben dem Bruttoinlandsprodukt auch Umsatzzahlen ausweist  - und Quartalsberichte veröffentlicht, wie ein börsennotiertes Unternehmen.

Doch auch das Fürstentum hat die Krise gespürt: Das den 39 Banken und Vermögensverwaltern anvertraute Geldvolumen stagniert, und die Tourismus-Aktivität – dem mit Abstand wichtigsten Wirtschaftszweig - hat auch noch nicht das Vorkrisenniveau erreicht. Der Stadtstaat hofft nun, dass die Wirtschaft durch die Hochzeit des Prinzen einen neuen Schub erlebt. Die Hotels jedenfalls sind fast alle ausgebucht.

Monaco will sich dieses PR-Event nicht kaputt machen lassen. Empfindlich reagierte der Fürst daher auf eine Meldung der Webseite des Magazins „L’Express“. Demnach soll Alberts Braut Charlene Wittstock vor wenigen Tagen versucht haben, sich in ihre Heimat Südafrika abzusetzen und die Hochzeit platzen zu lassen. Prompt folgte ein wütendes Dementi des Anwalts von Prinz Albert. Das Dementi lief gerade über die Ticker, da zeigten sich Albert und Charlene in Monaco in der Öffentlichkeit, als sie die Vorbereitungen des Konzertes von Jean-Michel Jarre besuchten. Mit solchen Bildern will der Fürst die Gerüchte entkräften.

Der Chef

In seiner Heimat ist Albert einfach nur der „Patron“. So werden auch die Chefs von Familienbetrieben genannt. Monaco ist einer mit mehr als 700 Jahre langer Tradition – und dubiosen Ursprüngen: Die aus Genua stammende und seit 1297 herrschende Grimaldi-Dynastie begründete ihr Vermögen als Raubritter und Piraten. Seinen Aufstieg verdankt der Stadtstaat und Familienkonzern Rainier, der 56 Jahre lang regierte. Er und sein Sohn Albert haben das Mittelmeer beraubt, ihm 40 Hektar abgerungen und die Fläche des Landes damit um ein Viertel gesteigert. So ist das Viertel Fontvieille, in dem das Herz von Monacos Wirtschaft schlägt, fast vollständig dem Meer abgetrotzt.

Als der in den Vereinigten Staaten zum Politologen ausgebildete Albert, der auch eine Banklehre absolviert und in einer Anwaltskanzlei sowie im Management des Champagnerherstellers Moët Hennessy gearbeitet hat, von seinem Vater übernahm, galt er als ewiger Junggeselle. Doch dem heute 53-Jährigen war schon damals klar, wie wichtig die Unternehmensnachfolge ist. Er kündigte an: „Seien Sie versichert, ich werde heiraten und eine Familie gründen.“

Den ersten Schritt macht er nun, indem er Charlene Wittstock an diesem Freitag standesamtlich und am Samstag kirchlich heiratet. „Aus Sicht der Monarchisten ist es Alberts wichtigste Aufgabe für Nachwuchs  zu sorgen“, sagt der Monaco-Kenner und Autor Thomas Veszelits (Die Monaco AG. Wie die Grimaldis ihr Fürstentum vergolden).

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