Fukushima-Betreiber Entschädigungsforderungen treiben Tepco in die Arme des Staates

Japans Regierung erwägt offenbar, die Kontrolle beim Fukushima-Betreiber Tepco zu übernehmen. Das könnte durch enorme Entschädigungszahlungen notwendig werden, dürfte der Öffentlichkeit aber schwer zu vermitteln sein.
Update: 29.03.2011 - 09:23 Uhr 12 Kommentare
Menschen werden auf Verstrahlung durch das Atomkraftwerk Fukushima getestet. Der Kraftwerksbetreiber Tepco steht vor der Verstaatlichung. Quelle: Reuters

Menschen werden auf Verstrahlung durch das Atomkraftwerk Fukushima getestet. Der Kraftwerksbetreiber Tepco steht vor der Verstaatlichung.

(Foto: Reuters)

In japanischen Regierungskreisen wird eine Verstaatlichung des Betreibers der Atomruine von Fukushima erwogen. Das sei eine Option, sagte der Minister für die nationale Politik, Koichiro Gemba, laut der Nachrichtenagentur Kyodo am Dienstag.

Die Regierung könnte die Mehrheit übernehmen und in das Management des Stromkonzerns eingreifen, berichtete die Zeitung "Yomiuri" am Dienstag unter Berufung auf Regierungskreise. Nach einer Flut von Verkaufsordern wurden Tepco-Aktien an der Börse in Tokio vom Handel ausgesetzt. Zuvor war sie auf den niedrigsten Stand seit 34 Jahren abgestürzt. Seit dem Beben in Japan hat die Aktie mehr als zwei Drittel ihres Wertes verloren.

Die Regierung wies den Bericht zurück. Ein Sprecher der Regierung hatte gesagt, keine Regierungsorganisation erwäge derzeit eine solche Verstaatlichung. Eine Rettung des Unternehmens wäre der Öffentlichkeit wohl schwer zu vermitteln, weil Tepcos Image enorm von der Katastrophe beschädigt wurde. Ein Tepco-Sprecher sagte, ihm sei nichts von derartigen Plänen bekannt. Die wichtigste Aufgabe sei es, eine Verschärfung der Situation in dem AKW zu verhindern.

Hintergrund ist, dass auf den Betreiber der Atomruine von Fukushima gewaltige Entschädigungszahlungen an die Opfer der Katastrophe zukommen dürften. Über deren Ausmaß haben weder Unternehmen noch Regierung bisher eine offizielle Schätzung abgegeben. Aber Tepco hat laut dem "Wall Street Journal" angekündigt, dass es sich 2 Billionen Yen (17,5 Milliarden Euro) beschaffen will, und Großbanken bereits signalisiert haben Kredite bereitzustellen. Tepco hat weiterhin keine Kontrolle über sein Kernkraftwerk

Schon jetzt ist davon auszugehen, dass Strahlenopfer, Bauern, deren Ernte vernichtet ist, und Menschen, die aus der 20-Kilometer-Zone rund um den Meiler evakuiert wurden, Forderungen in Höhe mehrerer Milliarden Euro stellen werden.

Entscheidend dafür, wer die Entschädigungszahlungen leisten muss, wird es sein, ob der Unfall des Kernkraftwerks Fukushima als Folge "einer schwerwiegenden Naturkatastrophe mit außerordentlichem Charakter" eingestuft wird und somit unter ein japanisches Gesetz aus dem Jahr 1961 fällt, wie das "Wall Street Journal" schreibt. Dann wäre die japanische Regierung dem Gesetz zufolge für die meisten Schäden verantwortlich.

Zeitung: Japan erwägt Verstaatlichung von Fukushima-Betreiber Tepco

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12 Kommentare zu "Fukushima-Betreiber: Entschädigungsforderungen treiben Tepco in die Arme des Staates"

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  • Bitte immer schön bei der Wahrheit bleiben. Die Deckungssumme der Haftpflichtversicherung für die deutschen Atomkraftwerke liegt nicht bei 0,25 Mrd €, sondern bei 0,256 Mrd €. Angesichts der Tatsache, dass das Bundeswirtschaftsministerium 1992 die Schadenshöhe auf 10.000 Mrd DM, in heutigen Preisen wohl 10.000 Mrd €, schätzen lies, ist das doch ein Schritt in die richtige Richtung. Schließlich ist Atomkraft sicher und das Restrisiko liegt nur im theoretischen Bereich!

  • lets go backwards. Die wußten^wenigstens noch was ne Haubitze war.^^

  • lets go backwards. Die wußten^wenigstens noch was ne Haubitze war.^^

  • Entschuldigung - aber eine derartige Abfindung und die Übernahme der Risiken durch den Sterzahler ist doch... wie sagt man... alternativlos!

  • Wird Zeit, dass die Bude verklagt wird. Westerwelle übernehmen Sie.
    Wenn diese Vollpfosten dafür geradestehen müssen wird ganz schnell stillgelegt - weltweit.

  • Da hat der freie Markt mal wieder hervorragend funktioniert.

    Für Investoren gibts fette Dividenden und für die Menschen Plutonium und Strahlung von 10000 Millisievert (pro Stunde)!

  • Genau wie die Kosten für den Atommüll sollte die Gewissheit, dass im Katastrophenfall der Steuerzahler die Zeche bezahlt (was er auch in Deutschland tun würde), auf den angeblich so günstigen Atomstrom aufgeschlagen werden, um endlich einen realistischen Vergleich zum angeblich so teuren Strom aus regenerativen Quellen zu bekommen. Dann würde sich nämlich das einzige Argument neben dem Klimaschutz ziemlich schnell in Luft auflösen !

  • Man könnte die Risiken durchaus versichern (bis zu einer bestimmten Höchstgrenze) - aber das würde Geld kosten. Und dann wäre die Illusion, Atomenergie sei billig, endgültig unhaltbar. Da ist es doch angenehmer, wenn man die Risiken den Steuerzahler tragen läßt. Berücksichtigt man diese indirekten Subventionen, die zusätzlichen direkten Subventionen und die Kosten der immer noch ungeklärten Endlagerung, die ebenfalls wie üblich der Steuerzahler mitfinanzieren wird, dann zeigt die Atomenergie ihr wahres Gesicht: Sie ist die teuerste aller Enegiequellen.

    Übrigens: Die Haftpflichtversicherung der Energiekonzerne hat eine Deckungssumme von 0,25 Mrd Euro. Für alle deutschen AKW zusammen. Ob das im Fall der Fälle reichen wird?

  • Es sieht so aus, als wäre der Kapitalismus an seinem Ende angekommen.

  • An a3418554. Da das Risiko für Kernkraftwerke höher ist als das für Naturkatastrophen, gibt es keinen Versicherer, der das versichert. Der Fall erinnert an die Bankenrettung, d.h. die Gewinne werden privatisiert und die Verluste und Risiken sozialisiert. Für die Verschmelzung von privaten Konzernen und dem Staat definierte Benito Moussolini den Begriff Faschismus.

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