Furcht vor Insolvenz wichtiger Kunden
Anlagenbauer Kuka bevorzugt Vorkasse

Der Spezialist für Industrieroboter und Fertigungsstraßen, Kuka, ändert seine Geschäftspolitik. Vor allem in der stark insolvenzgefährdeten US-Autoindustrie geht das Unternehmen dazu über, neue Aufträge mit hohen Anzahlungen zu sichern. Als Folge richtet sich der M-Dax-Konzern auf sinkende Umsätze ein. Offen ist derweil noch die Rolle des neuen Kuka-Großaktionärs Grenzebach.

MÜNCHEN. „Die Zahlungsziele rücken in den Vordergrund“, sagt Kuka-Chef Horst Kayser. Das kann auch einmal dazu führen, dass Aufträge nicht angenommen werden“.

Kuka bezeichnet sich als Weltmarktführer für robotergesteuerte Fertigungstechnik, siebzig Prozent der Erlöse von zuletzt 1,26 Mrd. Euro stammen aus der Autoindustrie. Hier rechnen die Augsburger in diesem Jahr mit einem Einbruch von bis zu 20 Prozent, wollen aber besser abschneiden als der Markt. Wie alle global agierenden Zulieferer der Autoindustrie steht Kuka vor der Frage, wie man sich gegen Insolvenzen von General Motors, Ford, Chrysler und deren Töchtern absichert. Immerhin hätten die US-Kunden zum Stichtag 31.12. alle Rechnungen „zum Teil überpünktlich“ bezahlt. Kuka hat für sich eine Risikoschätzung vorgenommen: Gehen alle drei Konzerne gleichzeitig Pleite, stünden 150 bis 200 Mio. Euro im Feuer. Das wahrscheinlichste Risiko liege aber unter 50 Mio. Euro, sagte Finanzvorstand Matthias Rapp.

Aber auch ohne drohende Kundenpleiten hat die Flaute in der Autoindustrie 2008 Kuka bereits voll erfasst: Der Überschuss brach von 117,9 auf 30,6 Mio. Euro ein. Im Vorjahr hatte der Verkauf der Verpackungstechniksparte allerdings knapp 70 Mio. Euro außerplanmäßig in die Kassen des Unternehmens gespült. Der Auftragseingang sank um knapp fünf Prozent auf 1,28 Mrd. Euro. Der Umsatz ging um 1,6 Prozent auf knapp 1,27 Mrd. Euro zurück. Die Dividende, die zuletzt bei einem Euro lag, wird gestrichen.

Zwar reicht der aktuelle Auftragsbestand für fünf Monate, wegen des erwarteten Einbruchs fährt das Unternehmen die Investitionen aber um zwanzig Prozent zurück. Ein Sparprogramm soll zudem 50 Mio. Euro einsammeln. An Kurzarbeit sei noch nicht gedacht, die weltweit 6 200 Arbeitsplätze seien vorerst sicher, sagte Konzernchef Kayser. Die rund 800 verbliebenen Leiharbeiter werden aber weitgehend abgebaut. Die Finanzierung sei bis Ende 2010 gesichert.

Kuka verschärft zudem seine Anstrengungen, die Abhängigkeit vom Autogeschäft zu reduzieren. Dazu buhlen die Augsburger verstärkt um Aufträge aus der Luftfahrt- und Solarindustrie. Mit Airbus wurden 2008 mehrere Verträge über die Lieferung von Fertigungsrobotern in zweistelliger Millionenhöhe abgeschlossen. Der Flugzeughersteller will seine Produktion für die Fertigung des neuen Langstreckenfliegers A350XWB stark automatisieren und Prozesse aus der Autoindustrie übernehmen. „Luftfahrt bietet für Kuka noch ein großes Potenzial“, verspricht Kayser.

Offen ist die Rolle des neuen Großaktionärs Grenzebach, der 25 Prozent der Kuka-Anteile erwerben will und aktuell 19 Prozent der Stimmrechte hält. Kayser begrüßte im Namen des Vorstandes das Engagement des schwäbischen Mittelständlers, mit dem Kuka schon lange „vertrauensvoll zusammenarbeite“. Es habe zuvor bereits Verhandlungen über einen Einstieg gegeben.

Branchenkreisen zufolge war das Management jedoch überrascht, als Grenzebach am Montagabend seine Pläne bekannt gab, eine Sperrminorität bei dem Augsburgern anzustreben. „Es hätte auch andere Möglichkeiten gegeben“, erklärte Kayser, „wir waren mit vielen Interessenten im Gespräch“. Mit rund 9,7 Prozent bleibt der US-Investor Guy Wyser-Pratte zweitgrößter Aktionär, der Rest der Anteile ist weitgehend in Streubesitz.

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