Fusion Arcelor Mittal
Severstal hat noch eine Chance

Der russische Stahlkonzern Severstal will sich nicht damit abfinden, dass Konkurrent Mittal ihm Arcelor vor der Nase weggeschnappt hat. Die Russen beharren auf ihrem Fusionsvertrag mit den Luxemburgern. Und tatsächlich: Es gibt noch Hoffnung für Severstal.

HB PARIS. Der Arcelor-Verwaltungsratspräsident Joseph Kinsch erklärte, wenn Severstal ein Angebot für das ganze Arcelor-Kapital vorlege, müsste der Verwaltungsrat das Angebot mit dem von Mittal vergleichen. Letztlich entschieden die Aktionäre, sagte Kinsch dem „Figaro“ (Dienstagsausgabe). Auch das mit Severstal entwickelte Modell sei gut gewesen, doch Mittal habe das bessere Angebot vorgelegt.

Am Freitag werden die Arcelor-Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die Severstal-Fusion abstimmen. Den Zusammenschluss mit dem größten russischen Stahlkonzern hatte die Arcelor-Führung Ende Mai eingefädelt. Nur wenn mehr als die Hälfte der Aktionäre mit Nein stimmt, wäre sie blockiert. Andernfalls wäre Severstal-Eigner Alexej Mordaschow wieder im Rennen.

Allerdings können auch noch danach die Arcelor-Aktionäre der Severstal-Offerte ein schnelles Ende bereiten – wenn sie mehr als die Hälfte der Arcelor-Aktien an Mittal übertragen. Dann wäre der Vertrag mit Severstal hinfällig, sagte Kinsch. „Doch man wird in jedem Falle die Aktien in Rechnung stellen müssen, die zu Gunsten Mordaschows ausgegeben wurden.“

Nach fünfmonatiger Übernahmeschlacht hatten Arcelor und Mittal am Sonntagabend das Kriegsbeil begraben und streben nun einen Zusammenschluss unter Gleichen an. Arcelor hatte aber bereits im Mai mit Severstal eine Fusion vereinbart, um Mittal abzuwehren. Severstal-Haupteigner Mordaschow beklagt, dass Arcelor sein verbessertes Angebot nicht angehört habe. Angeblich erwägt er nun gemeinsam mit anderen russischen Stahlfirmen ein neues Übernahmeangebot. „Wir prüfen eine Reihe von Möglichkeiten, die von der Erhöhung des Angebots bis zu einer Schadensersatzklage reichen“, sagte Thomas Veraszto, Stellvertreter des Vorstandschefs, dem Handelsblatt.

Nach Angaben Severstals hat sich Arcelor bei der Fusionsvereinbarung Ende Mai vertraglich verpflichtet, den Aktionären auf der Hauptversammlung am 30. Juni die Fusion mit Severstal zu empfehlen. Sollte die Konzernleitung diese Empfehlung nun nicht mehr aussprechen, so könnte dies eine Vertragsverletzung darstellen. „Die Summe des Schadensersatzes dürfte deutlich über der so genannten Break-up fee von 140 Mill. Euro liegen“, fügte Veraszto hinzu. Diese Entschädigungssumme muss Arcelor an Severstal zahlen, wenn die Luxemburger die Fusionsvereinbarung mit den Russen brechen.

Russische Politiker verurteilten die Entscheidung Arcelor fürs Mittal: „Ich möchte nicht, dass in dieser Frage Russophobie eine Rolle gespielt hat oder die Ablehnung der Expansion russischer Firmen ins Ausland“, sagte Industrieminister Wiktor Christenko.

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