Fusion Arcelor Mittal
Severstal stört das neue Glück

Fünf Monate lang sträubte sich der luxemburgische Stahlkonzern Arcelor gegen den Zusammenschluss mit dem Branchenprimus Mittal. Am Sonntag kam die Wende: Die beiden Unternehmen gehen zusammen. Das Glück wäre perfekt, wenn da nicht Konkurrent Severstal wäre. Die Russen haben einen Fusionsvertrag mit Arcelor, auf den sie pochen.

HB LONDON. „Wir sind sehr überrascht, dass der Arcelor-Board uns nicht eingeladen hat, um unser revidiertes Angebot zu besprechen oder uns die Möglichkeit gegeben hat zu reagieren“, hieß es in einer Stellungnahme Severstals am Sonntagabend. Severstal werde nun alle Optionen überprüfen. Dazu gehörten auch rechtliche Schritte. „Wir haben einen gültigen Vertrag“, sagte Thomas Veraszto, Strategiechef und Stellvertreter von Severstal-Haupteigner Alexej Mordaschow, der „Financial Times Deutschland“ (Montagausgabe).

Severstal war in der monatelangen Abwehrschlacht des Luxemburger Konzerns gegen Mittal als Weißer Ritter aufgetreten, sieht sich nun jedoch aus dem Spiel gedrängt. Die Vertragsstrafe, die Arcelor und Severstal für den Fall vereinbart hatten, dass ihre geplante Fusion scheitert, gelte nur „unter bestimmten Voraussetzungen“, stellte Veraszto klar. Arcelor muss gemäß der Vereinbarung Severstal 140 Mill. Euro als Ausgleich für dessen vorherigen Einsatz als „Weißer Ritter“ zahlen.

Gegen den Zusammenschluss mit Severstal hatte sich in den vergangenen Wochen bei einigen Arcelor-Aktionären heftiger Widerstand geregt. Nach der Kritik, die vor allem auf ein zu großes Mitspracherecht von Mordaschow zielte, hatte der Russe seine Offerte nachgebessert und sich auch mit einem Anteil von 25 statt 32 Prozent an Arcelor bereit erklärt.

Der Verwaltungsrat von Arcelor stimmte am Sonntag nach einer neunstündigen Sitzung dennoch dem Zusammengehen mit Mittal einstimmig zu, wie beide Unternehmen am Abend bestätigten. Das Angebot sei schlicht besser gewesen, hieß es von Arcelor. Damit entsteht der mit Abstand größte Stahlkonzern der Welt, der künftig Arcelor Mittal heißen soll. Die letztgültige Entscheidung liegt jedoch bei den Arcelor-Aktionären, die am Freitag zu einer außerordentlichen Hauptversammlung zusammengerufen worden sind.

Mittal-Veraszto hatte noch am Samstag gemeinsam mit Severstal-Mehrheitseigner Mordaschow mit Arcelor in Luxemburg verhandelt. „Es wäre normal gewesen, nach einem verbesserten Angebot von Mittal zunächst mit dem Vertragspartner zu sprechen“, kritisierte er die Arcelor-Führung. Severstal habe die Bereitschaft signalisiert, sein Angebot noch einmal zu verbessern. „Doch das hat Arcelor gar nicht interessiert“, sagte Veraszto der „Financial Times Deutschland“. Severstal erwäge auch jetzt noch, das Angebot zu verbessern, hieß es in der offiziellen Erklärung des Konzerns ohne nähere Erläuterung.

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