Fusion Arcelor Mittal
Space Invaders – Eine Chronik der Übernahme

Mit einem irgendwie missglückten Dinner fängt eine Geschichte an, die die Stahlbranche fünf Monate lang in Atem gehalten hat. Lesen Sie, wie es dem indisch geprägten Stahlkonzern Mittal gelungen ist, letztlich doch noch den europäischen Konkurrenten Arcelor zur Fusion zu bewegen.

LONDON. 13. Januar, London, Stadtteil Kensington: Kensington Palace Gardens gehört zu den feinsten Adressen Londons. Und hinter der Hausnummer 18-19 verbirgt sich das vielleicht teuerste Wohnhaus der Welt. Vor der hellen und luxuriös ausgestatteten Residenz fährt an diesem Tag Guy Dollé vor, der Chef des luxemburgischen Stahlkonzerns Arcelor.

Es ist zwar Freitag, der 13., und Dollé betritt das Haus seines größten Rivalen, und doch kommt er wohl in Erwartung eines ruhigen Abends. Schließlich kennt er den Gastgeber Lakshmi Mittal gut, jenen aus Indien stammenden Patriarchen, dem Mittal Steel gehört und der 100 Millionen Euro für seinen Palast bezahlt haben soll.

Die beiden Männer respektieren einander, sie haben hart, aber fair um Kunden und um den Kauf von Stahlwerken gerungen, sie haben sich auf Stahlkonferenzen getroffen und waren sich einig, dass ihre Branche eine Konsolidierung braucht.

Der Aperitif ist kaum die Kehlen entlanggeronnen, da kommt der ansonsten so höfliche und kultivierte Gastgeber auf ein Thema zu sprechen, das seinen Gast ziemlich überrascht haben dürfte. Mittal schlägt Dollé unvermittelt eine Fusion ihrer beiden Konzerne vor, einen Zusammenschluss des Weltmarktführers, gemessen am Umsatz, mit dem Weltmarktführer, gerechnet nach der Produktionsmenge, einen Deal, der die Branche für immer verändern würde.

Was nun passiert, darüber gibt es zwei Versionen. Dollé sagt, er habe eine unverbindliche Antwort auf einen unverbindlichen Vorschlag gegeben, und man habe beim Dinner nicht weiter über Details gesprochen. Mittal indes berichtet über eine ausführliche Diskussion, bei der Dollé seine Ablehnung bekundet habe.

Wie auch immer: In den nächsten Tagen versucht Mittal, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen, doch Dollé taucht ab. Schließlich ringt er gerade selbst mit Thyssen-Krupp um den Kauf des kanadischen Stahlherstellers Dofasco.

Mit einem irgendwie missglückten Dinner also hat einer der spektakulärsten Übernahmekämpfe der europäischen Wirtschaftsgeschichte begonnen. In der Folge werden sich die beiden Männer fünf Monate lang nicht wieder an einen Tisch setzen. Es sind fünf Monate voller Empörung und Abwehr auf der einen, Enttäuschung und Beharrlichkeit auf der anderen Seite. Fünf Monate Kampf eines stolzen europäischen Champions gegen einen nicht minder stolzen indischen Emporkömmling. Es geht um zu viel, als dass es bei den üblichen Ritualen des Mergers-&-Acquisitions-Geschäfts bleiben könnte. Es ist dies die Geschichte eines Übernahmeangebots, das sich zu einem veritablen Wirtschaftskrimi entwickelt, der mehr als nur die eigene Branche in Atem hält.

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