Fusion beinahe perfekt
Linde und BOC finden zueinander

Der Wiesbadener Industriegase- und Gabelstaplerhersteller Linde ist sich nach monatelangen Verhandlungen mit BOC einig geworden: Linde zahlt rund 12 Mrd. Euro für seinen britischen Konkurrenten. Durch den Zusammenschluss entsteht der weltweit größte Hersteller von Industriegasen vor der französischen Air Liquide.



HB DÜSSELDORF. Beide Firmen seien einig geworden, dass Linde ein freundliches Übernahmeangebot abgebe, teilte die Linde-Zentrale am Montagmorgen mit. Die Linde-Aktionäre erhalten 1 600 Pence je Anteilsschein. Ein erstes formloses Angebot über 1 500 Pence hatte BOC Ende Januar noch als zu niedrig zurückgewiesen und dabei auch auf die ungeklärte Finanzierung der Übernahme sowie mögliche wettbewerbsrechtliche Hindernisse verwiesen. Linde hatte daraufhin Verhandlungen mit BOC aufgenommen. BOC wird im Rahmen der neuen Offerte mit 8,2 Mrd. Pfund (rund 12 Mrd. Euro) bewertet. BOC beabsichtige, seinen Aktionären die Annahme des Angebotes zu empfehlen, teilte Linde weiter mit.

Durch den Kauf von BOC steigt Linde zum weltweit führenden Gaseanbieter mit einem Jahresumsatz von rund 11,9 Mrd. Euro auf. Die beiden Unternehmen ergänzten sich sowohl in ihrer geographischen Ausrichtung, als auch hinsichtlich der jeweiligen Produktschwerpunkte, begründete Linde den Kauf. Mit BOC werde Linde insbesondere ihre Position in dem Wachstumsmarkt Asien/Pazifik sowie in Segmenten wie Wasserstoff ausbauen.

Linde erwartet nach einer Übernahme Synergien von 250 Mill. Euro jährlich. Ab 2009 soll der Betrag im vollen Umfang erzielt werden. Die Einsparungen ließen sich im Wesentlichen durch die Optimierung der gemeinsamen Distribution und Beschaffung sowie in der Verwaltung realisieren. Als Einmal-Aufwendungen für die Übernahme veranschlage Linde rund 200 Mill. Euro, die voraussichtlich bis zum Ende des Jahres 2008 anfielen. Wie das Unternehmen weiter berichtete, soll die Übernahme über Kredite, Anleihen sowie eine Kapitalerhöhung in Höhe von 1,4 bis 1,8 Mrd. Euro finanziert werden.

Die Vorlage des Übernahmeangebotes stehe unter dem Vorbehalt der Genehmigung der EU- und US-Kartellbehörden, zudem bedürfe das Übernahmeangebot der Zustimmung der BOC-Aktionäre und der zuständigen britischen Gerichte. Vor dem Hintergrund der sich ergänzenden Portfolios beider Unternehmen sei Linde zuversichtlich, dass die Kartellbedingungen bis Ende Mai 2006 erfüllt würden. Damit könnte die Transaktion im dritten Quartal vollzogen werden.

Bereits am Freitag hieß es in Branchenkreisen, dass die Übernahme kurz vor dem Abschluss stehe. Fundamentale Differenzen bestünden nicht mehr, BOC-Chef Tony Isaac habe seinen Widerstand aufgegeben. In der vergangenen Woche war an der Börse über einen Kaufpreis von 1 630 bis 1 640 Pence je Aktie spekuliert worden. Am Freitag hatten BOC in London bei 1 546 Pence geschlossen.

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