Fusion der Rohstoff-Riesen
Glencore-Chef will Xstrata-Aktionäre besänftigen

Die Milliarden-Übernahme des Bergbauriesen Xstrata durch den weltgrößten Rohstoffhändler Glencore stand vor dem Scheitern. Der Glencore-Chef bessert nun überraschend sein Angebot auf. Ob der Aufschlag reicht, ist offen.
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Zürich/DüsseldorfIn praktisch letzter Minute hat der weltgrößte Rohstoffhändler Glencore sein Übernahmeangebot für den schweizerisch-britischen Bergbaukonzern Xstrata aufgestockt. Glencore bietet nun 3,05 eigene Aktien je Xstrata-Papier, wie Xstrata mitteilte. Bislang hatte der Rohstoffhändler 2,8 Anteilsscheine geboten, das entspricht einem Aufschlag um neune Prozent auf rund 35 Milliarden US-Dollar. Offen war zunächst, ob Glencore mit seiner höheren Offerte die bisher skeptischen Xstrata-Großaktionäre überzeugen kann.

Allen voran hatte das Emirat Katar die bisherige Offerte als zu niedrig zurückgewiesen und angekündigt, die Übernahme bei der Hauptversammlung zu blockieren. Glencore weigerte sich lange, das Angebot vom Februar aufzustocken. Erst am Freitagvormittag wurden die für diesen Tag geplanten Aktionärsversammlungen beider Konzerne wegen der neuen Entwicklungen verschoben. Viele Beobachter hatten bereits mit einem Scheitern des Zusammenschlusses gerechnet.

Im Gegenzug für das höhere Angebot will Glencore die komplette Macht über Xstrata. Der Konzern änderte den Status des Geschäfts. Aus der bislang offiziell als „Zusammenschluss unter Gleichen“ bezeichneten Transaktion soll nun auch formal eine Übernahme werden. Zudem reklamiert Glencore-Chef Ivan Glasenberg die Führungsposition für sich. Bislang war diese Rolle für Xstrata-Chef Mick Davis vorgesehen.

Xstrata betonte in der Mitteilung, dass es sich noch nicht um eine festes Angebot handele. Es könne noch Änderungen geben. Zudem müsse der Xstrata-Verwaltungsrat noch darüber entscheiden. Danach solle ein neuer Termin für die Hauptversammlung gefunden werden.

Xstrata zeigte sich von dem neuen Angebot wenig begeistert. Die Nachbesserung reiche bei weitem nicht aus, schrieben die unabhängigen Aufsichtsräte an Glencore. Zudem sei man mit der Absetzung von Xstrata-Chef Mick Davis nicht einverstanden. Außerdem fehlten bei der Offerte noch wichtige Informationen. Sobald diese vorlägen, werde man die Vorteile des Gebots prüfen.

Die Aktionäre beider Unternehmen waren bereits zu den entscheidenden Treffen zusammengekommen, um über die alte Offerte zu entscheiden. Sie wurden kurz nach dem Beginn unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt. Nun soll ein neuer Termin gefunden werden, an dem die Aktionäre über das neue Angebot entscheiden können. „Wir konnten Ihnen leider keine Vorwarnung geben“, sagte Glencore-Verwaltungsratschef Simon Murray. „Ich bitte um Entschuldigung, dass wir Sie hier unter nahezu falschen Vorzeichen haben zusammenkommen lassen.“

Um die Übernahme zu blockieren, benötigen die Gegner bei der Xstrata-Hauptversammlung gerade einmal 16,48 Prozent der Stimmen. Glencore selbst hält bereits 34 Prozent der Xstrata-Aktien, darf aber nach dem maßgeblichen britischen Recht bei der Übernahme nicht mitstimmen.

Das neue Angebot kam völlig überraschend. Denn Glencore-Chef Ivan Glasenberg weigerte sich bisher hartnäckig, die Offerte aufzustocken. Das auf den Tisch gelegte Angebot sei „fair und angemessen“ gewesen. „Ich werde meine Aktionäre nicht verärgern, indem ich zu viel bezahle“, sagte Glasenberg noch bei der Vorlage der Geschäftszahlen im August. Zudem hatte er klar gemacht, dass ein Scheitern der Fusion „nicht das Ende der Welt“ sei.  

Katar hatte seinen Anteil an Xstrata in den vergangenen Monaten schrittweise von drei auf zwölf Prozent erhöht. Der Staatsfonds der Golf-Nation hat in den vergangenen Monaten etwa sechs Milliarden Dollar ausgegeben, um sein Aktienpaket aufzubauen. Katar hatte zuletzt 3,25 Aktien pro Xstrata-Anteilsschein gefordert.

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