Fusion der Rohstoff-Riesen
Glencore erhöht den Einsatz im Poker um Xstrata

Der berühmt-berüchtigte Grundgüter-Händler Glencore bekommt die Konjunkturflaute zu spüren. Der Gewinn sinkt. Zudem wird der Kauf des Minenkonzerns Xstrata von Katar torpediert. Der Glencore-Chef setzt zum Pokerspiel an.
  • 1

Zug/DüsseldorfDer weltgrößte Rohstoff-Händler Glencore hat im milliardenschweren Übernahme-Poker um den Bergbaukonzern Xstrata einen Warnschuss in Richtung Katar abgegeben. Der Zusammenschluss mit Xstrata sei für Glencore nicht zwingend erforderlich, betont Konzernchef Ivan Glasenberg bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Den Preis-Nachforderungen des zweitgrößten Xstrata-Anteilseigners Katar erteilte er eine Absage: Der geforderte Aufschlag sei nicht nachvollziehbar.

Damit stehen hinter der vollständigen Übernahme des Bergbaukonzerns Xstrata für 30 Milliarden Dollar immer mehr Fragezeichen. Die von beiden Unternehmen angestrebte Mega-Fusion war auf Eis gelegt worden, nachdem der Golfstaat Katar als Xstrata-Großaktionär im Juli einen deutlich höheren Preis für die Übernahme forderte. Die staatseigene Qatar Holding sowie einige anderen Aktionäre bezeichneten das Angebot von 2,8 Glencore-Aktien für jeden Xstrata-Anteilsschein als zu gering und verlangten dafür jeweils 3,25 Aktien.

Seine Offerte für Xstrata will Glencore-Chef Ivan Glasenberg nicht aufhübschen. Das auf dem Tisch liegende Angebot sei „fair und angemessen“. „Ich werde meine Aktionäre nicht verärgern, indem ich zu viel bezahle“, sagt Glasenberg.

Er könne abwarten und sei auch in ein oder zwei Jahren zu erneuten Gesprächen mit dem arabischen Staatsfonds bereit. Glencore hält bereits seit längerer Zeit mehr als 34 Prozent an Xstrata. Ein Abbruch der Übernahmepläne sei „nicht das Ende der Welt“, meint der Glencore-Chef.

Ein Scheitern oder zumindest ein Aufschieben der Mega-Fusion erscheint damit zunehmend wahrscheinlich. „Glencore hat bislang felsenfest darauf beharrt, dass die Kaufkonditionen großzügig sind. Zudem hat der Konzern andere Wachstumsmöglichkeiten“, erläutert Myles Allsop, Analyst der UBS in London. Er rechnet mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent, dass die Xstrata-Aktionäre die Offerte ablehnen.

„Glasenberg pokert hoch“, kommentiert Rupert Nathan, Chef der britischen Fondsgesellschaft Fat Prophets. „So wie die Besitzverhältnisse aufgestockt wurden, wird Glencore entweder das Angebot versüßen oder ganz von der Komplett-Übernahme ablassen.“ Die Staatsholding von Katar hatte ihren Anteil an Xstrata zuletzt auf rund zwölf Prozent aufgestockt. Im Februar hatte der Anteil noch rund drei Prozent betragen.

Wegen der trüben Aussichten wird das Gerangel um die Fusion der beiden Branchenriesen zu einem Mega-Konzern mit größter Aufmerksamkeit beobachtet. Der Gesamtkonzern würde bei einem Jahresumsatz von fast 210 Milliarden Dollar die gesamte Kette der Wertschöpfung von der Rohstoffförderung bis zur weltweiten Vermarktung umfassen.

Die Xstrata-Aktionäre sollen nun am 7. September über das Glencore-Angebot entscheiden. Sinkende Rohstoffpreise und hohe Investitionen machen wie anderen Minenbetreibern auch dem schweizerisch-britischen Bergbaukonzern zu schaffen. Xstrata ist einer der weltweit größten Produzenten von Kraftwerkskohle und Kupfer. Der Überschuss von Xstrata war im ersten Halbjahr um ein Drittel auf 1,9 Milliarden US-Dollar zurück gegangen.

Zugleich warb der Konzernchef Glasenberg aber auch für das Zustandekommen der bislang größten Fusion der Branche. Die Entwicklung an den Rohstoffmärkten habe das Gebot für Xstrata noch attraktiver werden lassen. Allerdings gelte für das 30-Milliarden-Dollar Geschäft nicht „jetzt oder nie“. Ein Zusammenschluss sei auch in Zukunft noch interessant.

Sollte Katar die Fusion von Glencore und Xstrata am Ende doch kippen, will Glasenberg „weitermachen“. „Ich verstehe nicht ganz die Gründe und die Logik hinter der Aktion von Katar, denn Katar war zuvor kein großer Anteilseigner von Xstrata“, sagt Glasenberg.

Seite 1:

Glencore erhöht den Einsatz im Poker um Xstrata

Seite 2:

Fallende Rohstoffpreise drücken den Gewinn

Kommentare zu " Fusion der Rohstoff-Riesen: Glencore erhöht den Einsatz im Poker um Xstrata"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Glencore hat als Hauptaktionär von Xstrata die übrigen Aktionären in der Vergangenheit nicht bevorteilt. Man denke an die Kapitalerhöhung von 09 als Glencore sehr vorteilhafte Regeln zu seinen Gunsten vereinbart hat.

    Die jetzige Fusion ist gleichfalls zu Lasten der Xstrata Aktionäre konzipiert. Man hat dem Xstrata Management üppige Prämien im Uebernahmefall versprochen. Man spielt mit Terminen. Das HJ Ergebnis von Xstrata wurde, so meine Vermutung, bewusst tief ausgewiesen dass Glencore Ergebnis bewusst hoch.

    Eine endgültige Trennung der Xstrata von Glencore wäre im Sinne der Aktionäre wünschenswert und vorteilhafter als ein Zusammenschluss mit einem von 2,8 auf 3,2 angehobenen Umtauschverhältnis.

    Man kann hoffen das Katar die Nerven behält und Glencore auflaufen lässt.

    Vandale

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%