Fusion der Stahlsparten Thyssen-Krupp und Tata formen europäischen Stahlriesen

Thyssen-Krupp und Tata vereinen ihre europäischen Stahlsparten. Tausende Stellen sollen wegfallen, Konzernsitz soll Amsterdam sein. Wie Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger den Stahlwerkern den Deal dennoch schmackhaft macht.
Update: 20.09.2017 - 13:06 Uhr 18 Kommentare

„4.000 Stellen betroffen" – Folgt auf die Fusion die große Entlassungswelle?

„4.000 Stellen betroffen" – Folgt auf die Fusion die große Entlassungswelle?

Düsseldorf/EssenKnapp zwei Jahre haben sie miteinander verhandelt, jetzt wollen sie es zusammen versuchen: Thyssen-Krupp und der indische Tata-Konzern planen die Fusion ihrer beiden Stahltöchter in Europa. Eine entsprechende Absichtserklärung gaben beide Konzerne am Mittwochmorgen in Essen und Mumbai ab.

Das neue 50:50-Joint-Venture mit dem Namen Thyssen-Krupp Tata Steel käme auf einen Umsatz von 15 Milliarden Euro, würde gut 21 Millionen Tonnen Flachstahl erzeugen und rund 48.000 Mitarbeiter beschäftigen. Es wäre damit in Europa der zweitgrößte Stahlkocher nach Weltmarktführer Arcelor Mittal. Hauptsitz des neuen Konzerns mit 34 Standorten in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien soll Amsterdam sein. Beide Seiten planen, in den kommenden Jahren rund 4000 Stellen in Produktion und Verwaltung zu streichen, um die angepeilten Synergieeffekte zwischen 400 und 600 Millionen Euro pro Jahr zu erzielen. Dieser Abbau soll gleichermaßen auf beide Partner entfallen.

„Mit dem geplanten Joint Venture geben wir den europäischen Stahlaktivitäten von Thyssen-Krupp und Tata eine nachhaltige Zukunftsperspektive“, sagte Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger. „Die Belastungen für jeden der beiden Partner fallen geringer aus, als sie für beide allein ausgefallen wären.“ Tata-Steel-Chef Natarajan Chandrasekan sprach von einem „Meilenstein“ für beide Partner.

Der Essener Traditionskonzern wird seine gesamte Stahlsparte mit zuletzt 7,6 Milliarden Euro Umsatz in die neue Gesellschaft einbringen. Dazu kommen noch stahlwerksnahe Dienstleistungen, die derzeit noch der Handelssparte Material Services angegliedert sind.

Der Betriebsrat der Thyssen-Krupp-Stahlsparte, Günter Back sagte: „Der Vorstand hat gegen alle Warnungen alles auf eine Karte gesetzt. Das bedeutet nicht, dass wir das gutheißen.“ Ziel müsse es nun sein, „das Schlimmste“ zu vermeiden. Back zeigte sich überzeugt, dass es bei einer Fusion nicht bei dem angekündigten Abbau von rund 2000 Stellen bei Thyssen-Krupp in Deutschland bleiben werde. Am Ende würden einem Zusammenschluss „wesentlich mehr“ Arbeitsplätze zum Opfer fallen, meinte er. Für diesen Freitag haben Betriebsrat und IG Metall zu einer Protestkundgebung in Bochum aufgerufen, zu der mindestens 5000 Stahlkocher erwartet werden.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) forderte von Thyssen-Krupp und Tata umfangreiche Zusagen für Standorte und Beschäftigte. „Einen Zusammenschluss um jeden Preis darf es nicht geben“, sagte Nahles am Mittwoch in Berlin. Die Standorte in Deutschland müssten erhalten, betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden. Außerdem sei es wichtig, dass im Falle eines Zusammengehens der Unternehmenssitz in Deutschland liege. Nur so lasse sich die Montan-Mitbestimmung langfristig sichern.

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18 Kommentare zu "Fusion der Stahlsparten: Thyssen-Krupp und Tata formen europäischen Stahlriesen"

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  • Herr Robbie McGuire, Gelernt ist gelernt.

  • Herr Peter Spiegel - 20.09.2017, 15:36 Uhr
    Ganz nebenbei, es geht nicht nur um die Stahlmenge sondern welchen Stahl man machen kann.
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    Was Sie alles so wissen, auch im Thema Stahlgüten sind Sie zuhause.

  • Ganz nebenbei, es geht nicht nur um die Stahlmenge sondern welchen Stahl man machen kann.

  • Herr Toni Ebert - 20.09.2017, 13:31 Uhr
    Jeder Unternehmer, der Hirn hat, transferiert über den Begriff "Fusion" sein Unternehmen ins Ausland.
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    Jeder Unternehmer, der Hirn hat, braucht keinen Transfer über den Begriff "Fusion" ins Ausland. Wie eine Verlagerung ins Ausland funktioniert, gehö rt zum Grundwissen eines jeden Kaufmanns verbunden mit logischem Denken.

  • Wenn man flexibel ist und sich sein Leben so eingerichtet hat, dass man über all leben und arbeiten kann, ist es immer wieder eine schönes Schauspiel, wenn man den Wandel der BRD miterleben darf.

    Besonders interessant ist für mich die stattfindende Umvolkung und wie brav sich die weichespülten Gutmenschen es sich gefallen lassen, dass man sie durch höchstqualifizierte Akademiker und echte Fachkräfte aus der Wüste ersetzt. Eine Jugend, die noch jeden als Rassisten und Nazi beschimpft, der auf die Gefahr der Verblödung hinweist, hat kein recht aufs Überleben.

    Und so läuft es hier ab. Wenn auch sehr langsam, aber selbst die Großunternehmen setzen sich immer mehr ab. Fusion nennt man das. Die Schlüsselindustrien, das know-how und besonders das Management setzt sich ab ins Ausland und hier bleiben nur die Akademiker und Fachkräfte.

    Jeder Unternehmer, der Hirn hat, transferiert über den Begriff "Fusion" sein Unternehmen ins Ausland. Ich habe sehr großen Respekt vor den Unternehmen, die auf diesem Weg die (muslimische) BRD für immer den Rücken kehren.

  • Herr Michael Berger - 20.09.2017, 11:52 Uhr
    Also wählen wir alle die einzige Alternative, weil wir dann von Profis wie Herrn Narrog regiert werden ...
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    damit haben Sie natürlich den Narro ....ähh Nagel auf den Kopf getroffen.

  • Herr Robbie McGuire.
    Das ist bekannt und ein Nachteil. Am Ende kann man gar nichts mehr herstellen,
    Der Wertschöpfung bleibt im Ausland, Haare schneiden in Europa. Eine Schande und ohne Zukunft.

  • Herr Peter Spiegel20.09.2017, 11:25 Uhr
    „Wenn hier Kapazitäten stillgelegt werden, kommt der Stahl nach einer Fusion mit Tata von dort oder aus China – das macht doch keinen Sinn.“
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    Das ein extrem dominatre Teil der Weltstahlproduktion aus Asien kommt und das nicht erst seit heute, belegen folgende Fakten: die zehn größten Stahlhersteller der Welt kommen bereits heute aus aus Indien, china Japan und Südkorea.


  • @F. Gessw. 20.09.2017, 11:41 Uhr





    "Ich sage nur Herrn Narrog, dass er eine sehr kurzsichtige Perspektive auf die Nutzung natürlich Ressourcen hat."

    Richtig , Herr Narrog hat diese Perspektive. allerdings hat er auch Recht damit, daß momentan Deutschland planmäßig deindustrialisiert wird. Und wenn die neuen Technologien, die Sie ansprechen, nicht in einer - eigenen!!!- industriellen Produktion münden, wozu braucht man sie dann? Um sie an die Chinesen zu verkaufen, die damit dann produzieren?

  • Herr McGuire: Sie haben Herrn Narrog falsch verstanden. Er ist bekennender Atom-Lobbyist, daher gibt es keine Graustufen. Außerdem wurde Frau Merkel bereits 1954 geboren, ist also sehr wohl für den Niedergang der Stahlindustrie ab den 60er Jahren verantwortlich.

    Also wählen wir alle die einzige Alternative, weil wir dann von Profis wie Herrn Narrog regiert werden ...

    Ironie verstanden?

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