Fusion
Enel prüft Suez-Angebot

Der italienische Stromriese Enel stellt die Weichen für seine Auslandsstrategie. Am Mittwoch tritt der Verwaltungsrat des drittgrößten börsennotierten Stromkonzerns in Europa zusammen, um das weitere Vorgehen zu diskutieren. Signale deuten darauf hin, dass die Italiener nun doch noch ein Angebot für den französischen Versorger Suez abgeben werden.

MAILAND. Suez hatte vor zehn Tagen Fusionsabsichten mit dem mehrheitlich staatlichen Gasversorger Gaz de France (GdF) bekundet. Bislang scheint Enel bei dem Übernahmepoker in der europäischen Strombranche schlechte Karten zu haben: In Spanien will die deutsche Eon den Stromversorger Endesa übernehmen. Damit hat Eon die Hoffungen der Italiener auf einen großen Einstieg auf der iberischen Halbinsel zunichte gemacht. Und bei der französischen Suez plante Enel die belgische Tochter Electrabel kaufen, wurde aber vom Angebot der GdF, das die Regierung in Paris eingefädelt hat, überrascht. Obwohl politische Widerstände in Frankreich als sicher gelten, wäre für Enel ein Gegenangebot die einzige Möglichkeit, bei der Branchenkonsolidierung mitzuspielen.

„Enel war während der ersten Liberalisierungswelle schon stark mit sich selbst beschäftigt. Und jetzt drohen sie erneut ins Hintertreffen zu geraten“, mahnt der auf Energiewerte spezialisierte Analyst der LBBW, Christian Götz. Wie aus Finanzkreisen verlautet, hat Enel bereits mehrere Banken kontaktiert, um ein Übernahmeangebot vorzubereiten. Der Chef der Banca Intesa, Corrado Passera, hat eine Beteiligung seiner Bank indirekt bestätigt: „Wenn Enel ein weises Projekt hat, werden wir sie dabei unterstützen“, sagte er. Außer Intesa sollen auch Unicredito, Deutsche Bank und Dresdner Bank bereit sein, mitzuziehen. Enel selbst hat nie einen Hehl daraus gemacht, ein Gegenangebot zu erwägen. Derzeit gebe es jedoch „keine Neuigkeiten“.

Auch politisch spricht einiges dafür, dass der zu 30 Prozent vom Staat kontrollierte Konzern Suez noch nicht verloren gibt. Denn Italien befindet sich mitten im Wahlkampf und die Politiker beider Lager setzen alles daran, sich als Schützer der nationalen Interessen zu gebärden. Wirtschaftsminister Giulio Tremonti ist vor wenigen Tagen nach Brüssel gereist, um sich bei der EU-Kommission für Enel einzusetzen.

Nach Ansicht von Beobachtern ist die vollständige Übernahme von Suez keineswegs das Ziel. „Es ist möglich, dass die politische Aktion der Regierung nicht darauf aus ist, dass Enel die gesamte Kontrolle von Suez übernimmt, sondern darauf, dass Enel nach der Übernahme durch GDF einzelne Geschäftsbereiche kaufen kann“, schreiben die Analysten des Mailänder Brokerhauses Euromobiliare. In Finanzkreisen hieß es am Dienstag, Enel sei auf der Suche nach einem Finanzinvestor, der dann das Wasser- und Entsorgungsgeschäft von Suez kaufen könnte. „Die Übernahme von Suez würde ohnehin nur Sinn machen, wenn Enel später die Geschäftsbereiche abgibt, die nicht zum Kerngeschäft gehören“, sagt Roberto Ranieri, Analyst bei der Investmentbank Caboto. So sollte Enel etwa die Wassersparte möglichst bald abstoßen, deren Wert auf 15 Mrd. Euro geschätzt wird. Ranieri rechnet vor, dass die Italiener 50-55 Mrd. Euro für Suez bieten müssten, um den Konzern vollständig zu übernehmen. Das ist selbst für ein Unternehmen viel Geld, das nach eigenen Angaben 15 Mrd. Euro für die Auslandsexpansion in der Kriegskasse hat. Ranieri ist zudem überzeugt, dass die Regierung in Paris Gaz de France zu einem neuen, höheren Angebot auffordern wird, sollten die Italiener angreifen. Ministerpräsident Dominique de Villepin hatte unmissverständlich deutlich gemacht, dass Suez in französischen Händen bleiben soll.

Und welche Alternativen bleiben Enel in diesem Fall? Zum einen hoffen die Italiener noch darauf, dass sich in Spanien doch Gaz Natural im Übernahmepoker um Endesa durchsetzt. Dann könnte Enel jene Bereiche kaufen, die Gaz Natural aus Wettbewerbsgründen abstoßen müsste. Ansonsten bliebe es bei der bisherigen Strategie, vor allem durch Zukäufe in Osteuropa zu wachsen. Auch in Russland will Enel-Chef Fulvio Conti investieren.

In jüngster Zeit waren auch Gerüchte über eine Fusion zwischen dem ebenfalls teilstaatlichen Öl- und Gaskonzern Eni und Enel aufgekommen. Auch wenn es ein Rückschritt bei der Liberalisierung wäre, wäre die Kombination nicht ohne Logik, meint Götz: "Der Kerngedanke, der hinter einer derzeit diskutierten Eni-Enel-Fusion steht, ist der gleiche wie der von Eon-Ruhrgas oder Gaz de France-Suez". Der Chef der italienischen Wettbewerbsbehörde Antonio Catricalà bezeichnete die Möglichkeit einer Eni-Enel-Fusion am Dienstag dagegen als "monströs".

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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