Fusion mit Arcelor
Severstal bringt stattliche Mitgift in die Ehe ein

Mit Severstal bekommt Arcelor einen modern gemanagten, hoch profitablen, politisch gut verdrahteten und international aufgestellten russischen Partner. Inklusive der in den vergangenen Jahren erworbenen ausländischen Unternehmen – Rouge Industries in den USA und Lucchini in Italien – ist der Stahlkonzern aus dem nordrussischen Tscherepowez mit einer Jahresproduktion von 17,1 Mill. Tonnen Rohstahl zur Nummer eins in Russland aufgestiegen.

MOSKAU. Vom Zentralkomitee der KPdSU 1940 als Kombinat gegründet, 1993 privatisiert und vom heutigen Aufsichtsratschef Alexej Mordaschow in Severstal umgetauft, erzielte die Severstal-Gruppe 2005 bei einem Umsatz von 13,4 Mrd. Euro ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 3,4 Mrd. Euro. Severstal sei „erste Wahl“ für die Luxemburger gewesen, sagte Arcelor-Chef Guy Dollé in Moskau. Dass es zuvor auch Gespräche mit dem viertgrößten russischen Stahlhersteller NLMK gegeben habe, verschwieg Dollé nicht. „Aber bei der Hochzeit erzählt der Bräutigam nicht, mit welchen Mädels er früher getanzt hat“, so der Arcelor-Chef.

Zur fetten Mitgift Severstals für Bräutigam Arcelor zählt neben der Hochofen- und Walzwerk-Produktion, dass das Unternehmen eine hohe Eigenversorgung mit Eisenerz und Kokskohle hat. Die Tochter Severstal-Resources verfügt mit einer jährlichen Kohleförderung von 10,2 Mill. Tonnen über einen Marktanteil von 15 Prozent in Russland, bei Eisenerz sind es mit 12,9 Mill. Tonnen 14 Prozent. Seit Jahren sind Severstal und Arcelor Partner in zwei Gemeinschaftsunternehmen: Das eine produziert galvanisierte Autobleche das andere Walzdraht für Reifen.

Die Moskauer Investmentbank Alfa preist als Vorzüge Severstals die „geografisch für den Export günstige Lage, das professionelle Management und gesunde Finanzen“. Außerdem sei das Unternehmen ein großer Produzent von Pipeline-Röhren, die wegen des Booms in der Energiebranche derzeit besonders gefragt seien. Ein Risiko sehen die Analysten dagegen in der hohen Abhängigkeit von der Weltkonjunktur und in den abgeschlossenen langfristigen Lieferverträgen, die notwendige Preiserhöhungen schwierig machten.

Mit der Fusion Severstals und Arcelors wächst nach Ansicht von Branchenexperten der Druck auf die russischen Konkurrenten, sich ebenfalls zusammenzuschließen, um in der fortschreitenden Konsolidierung der Stahlbranche nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. „Allerdings sind die Eitelkeiten der russischen Stahlbarone so ausgeprägt, dass niemand bei einer Allianz der Juniorpartner werden will“, meint Vitalij Gajduk, Präsident des ukrainischen Stahlkochers Industrialnyj Sojus über seine russischen Kollegen.

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