Fusion mit VW
Porsches Kapitalplan stößt auf Skepsis

Porsches hochverschuldete Dachgesellschaft plant verschiedene Finanzinstrumente, um ihre Schulden senken zu können. Als Alternative zur Kapitalerhöhung über fünf Milliarden Euro wird eine Wandelanleihe immer wahrscheinlicher. Die Skepsis bei Anlegern und Analysten ist groß.
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HAMBURG/STUTTGART. Porsches hochverschuldete Dachgesellschaft plant verschiedene Finanzinstrumente, um die Schulden in Höhe von sechs Milliarden Euro in jedem Fall deutlich senken zu können. Das ist die Voraussetzung für die ersehnte Verschmelzung mit dem Volkswagen-Konzern. Neben einer direkten Kapitalerhöhung in Höhe von bis zu fünf Milliarden Euro forciert die Porsche SE Wandelanleihen.

Für den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass die geplante Kapitalerhöhung scheitern sollte, will sich der Vorstand von der Hauptversammlung am 30. November Alternativen genehmigen lassen: So sollen zwischen Januar 2011 und Ende November 2015 Wandelanleihen, Genussrechte oder Gewinnschuldverschreibungen ebenfalls im Volumen von bis zu fünf Milliarden Euro ausgegeben werden können. Das geht aus der gestern von der Porsche SE veröffentlichten Einladung zur Hauptversammlung am 30. November in Stuttgart hervor.

Die Skepsis bei Anlegern und Analysten in Bezug auf die Kapitalerhöhung ist groß. Ohne eine Klärung der am Dienstag von der Porsche-Spitze angeführten rechtlichen und steuerlichen Risiken der Fusion mit VW sei eine Bewertung der Aktie schwierig, sagen Finanzkreise. Ohne erheblichen Abschlag seien neue Aktien daher schwer zu vermarkten. Viele Banker halten sich derzeit bedeckt, weil sie sich bei Porsches Schaulaufen zur Platzierung der Kapitalerhöhung Chancen ausrechnen. Porsches Gläubigerbanken wie Barclays und LBBW dürften dabei Vorrang haben.

Neben den Familien Porsche-Piëch sollen auch die freien Anleger bis zu 1,25 Milliarden neue Aktien zeichnen, 2,5 Milliarden Euro sollen so jeweils in die Kasse kommen. 75 Prozent der Vorzugsaktionäre müssen dem Vorhaben zustimmen. Der Ausgabepreis pro Aktie soll nicht unter zwei Euro liegen. Der Vorstand der SE will sich ermächtigen lassen, die Kapitalerhöhung bis 30. Mai 2011 durchzuführen, bei Klagen bis spätestens 30. August 2011.

Wahrscheinlicher wird die Ausgabe einer Wandelanleihe im Frühjahr. Die Zeichner hätten am Ende der Laufzeit die Wahl zwischen Geld oder Aktie. Eine Anleihe gilt im Gegensatz zu Aktien als Fremdkapital - Investoren werden als vorrangige Schuldner behandelt, was das Instrument attraktiver macht.

Am Dienstag hatte Porsche mitgeteilt, dass die Fusion mit VW später als angestrebt erfolgen könnte. Statt eines Verschmelzens im zweiten Halbjahr 2011 mit der Porsche SE könnte VW ab 2013 den verbleibenden Anteil am operativem Geschäft für 3,9 Mrd. Euro kaufen.

Volkswagen hält bereits 49,9 Prozent an der Porsche AG. Der Deal würde die Wolfsburger Barreserven von zuletzt 17,5 Mrd. Euro schmälern. Zudem drohen Steuern in Milliardenhöhe.

mcs, mwb, rob

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

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