Fusion
Volkswagen und Porsche werden ausgebremst

Es ruckelt auf dem Weg zur vollständigen Fusion der beiden Autobauer. Volkswagen teilt mit, dass der Zeitplan zur Eingliederung von Porsche gescheitert ist. Schuld sind Ermittlungsverfahren in den USA .
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Stuttgart/WolfsburgVolkswagen und Porsches Finanzholding SE (PSE) haben gestern Abend die für Ende 2011 geplante Verschmelzung beider Unternehmen abgesagt. Das dürfte kaum einen Marktteilnehmer ernsthaft überraschen, da die Unternehmen selbst seit Monaten die Wahrscheinlichkeit, dass der Deal wie geplant über die Bühne gehen wird, nur noch mit 50 Prozent beziffert haben. Der Grund für die Selbstzweifel war offenbar nur allzu berechtigt: Klagen von Anlegern in den USA und staatsanwaltliche Ermittlungen hierzulande machen die Risiken einer Verschmelzung für Volkswagen unabsehbar. Beide Seiten blieben vor diesem Hintergrund uneins über die Bewertung vom Porsche.

An einer Integration halten die Unternehmen dennoch fest. Nur tritt jetzt nicht Plan A, sondern jener Plan B in Kraft, den beide Parteien bereits in ihrer im Sommer 2009 nach einer heftigen Übernahmeschlacht geschlossenen Grundlagenvereinbarung fest gezurrt haben: VW und die Porsche SE verfügen wechselseitig bis Anfang 2015 über sogenannte Put- und Call-Optionen, die Volkswagen den Kauf des restlichen Anteils am operativen Geschäft des Sportwagenbauers Porsche AG ermöglichen. Bisher hält Volkswagen 49,9 Prozent.

Hintergrund für die Prozessrisiken, die zu Bewertungsunsicherheiten führen, sind etwa Untersuchungen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft, die gegen Wiedeking und seinen damaligen Finanzchef Holger Härter ermitteln. Beide Manager werden verdächtigt die Anleger im Zuge der geplanten VW-Übernahme mit geschickten Börsentransaktionen getäuscht zu haben. Einen Zwischenstand wollen die Ermittler erst Anfang 2012 vorlegen, VW und Porsche wollten ihre Aktionäre jedoch bereits Ende Dezember über die Verschmelzung abstimmen lassen. Die Ermittlungen der Strafverfolger richten sich zwar gegen die Manager als Privatpersonen, die Erkenntnisse könnten aber auch für die klagenden Investmentfonds interessant sein. 

Auch in Deutschland sind Volkswagen und Porsche nun verklagt worden, wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet. Am Mittwoch habe die auf Kapitalmarktrecht spezialisierte Münchner Kanzlei CLLB beim Landgericht Braunschweig eine Schadensersatzklage in Höhe von knapp 1,1 Milliarden Euro gegen die beiden Unternehmen eingereicht. Die Klage ist offenbar einer der Auslöser für die gestrige Mitteilung von Volkswagen, dass die Fusion mit der Porsche Automobil Holding SE in diesem Jahr nicht mehr stattfinden wird.

Da es wegen der juristischen Unsicherheiten erst einmal nicht zu einer Verschmelzung kommt, müssen die Optionen von VW an Porsche neu bewertet werden. Volkswagen wird voraussichtlich einen Bilanzgewinn verbuchen, die Porsche SE nach drei Quartalen in die roten Zahlen rutschen. Die Porsche SE hält gut 51 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen und 50,1 der Anteile an der Porsche AG.

Mit einer längeren Existenz der Porsche SE können deren Hauptaktionäre, die Familien Porsche und Piëch, gut leben. Auf diese Weise behalten sie den Zugriff auf die Stimmmehrheit bei Volkswagen. Bei einer Verschmelzung würde ihr Anteil deutlich unter 50 Prozent rutschen.

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  • wenn diese Zocker die grossen Gewinne einschaufeln bezeichnen sie sich als Experten;...muessen sie sich aber die Wunden lecken, wird der Schuldige woanders gesucht.
    Ein total krankes System!!!

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