Fusion von EADS und BAE
Europa sagt US-Rüstungsriesen den Kampf an

US-Konzerne dominieren das globale Rüstungsgeschäft. Noch. Mit dem geplanten Zusammenschluss der deutsch-französischen EADS und der britischen BAE würden sich die Gewichte verschieben - wenn die Fusion die Hürden nimmt.
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DüsseldorfEs ist nicht irgendein Zusammenschluss, es wäre eine der größten Veränderungen in der Luftfahrt- und Rüstungsbranche in den vergangenen Jahren - und er hätte das Zeug, die gesamte Industrie auf den Kopf zu stellen. Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS und sein britischer Wettbewerber BAE Systems wollen gemeinsam ein europäisches Unternehmen der Superlative schaffen: EADS kommt auf einen Umsatz von gut 50 Milliarden Euro, BAE Systems wirft rund 25 Milliarden Euro in die Waagschale. Mit insgesamt gut 230.000 Beschäftigten und einer Produktpalette, die vom Kampfjet über Airbus-Flugzeuge bis zu Weltraumraketen reicht, wäre das neue Unternehmen mit Abstand der Marktführer im weltweiten Geschäft mit Luft- und Raumfahrt. Der bisherige Marktführer Boeing wäre deutlich überrundet.

Und mit der Fusion greifen die Europäer besonders im Riesengeschäft mit der Rüstung die US-Konkurrenz an. Nirgendwo wird die Bedeutung dieser Sparte so deutlich wie in den USA, der Nation mit dem größten Militärbudget. In diesem Haushaltsjahr liegt es bei 530,6 Milliarden Dollar (411 Milliarden Euro). Kein Wunder, dass in den Vereinigten Staaten auch die bislang weltgrößten Rüstungskonzerne beheimatet sind. Knapp die Hälfte der Firmen auf der Top-100-Rüstungsliste des Friedensforschungsinstituts Sipri stammen aus dem Land.

Diese Bastion zu knacken, ist eines der Hauptziele eines fusionierten europäischen Rüstungsgespanns aus BAE und EADS. Die Briten machen in den USA angesichts der traditionell engen politischen Bindungen zwischen den beiden Ländern bereits gute Geschäfte. BAE steckt etwa hinter dem Schützenpanzer Bradley und arbeitet am Kampfflugzeug F-35 Lightning II mit.

EADS dagegen zog im vergangenen Jahr beim sogenannten Jahrhundert-Deal um neue Tankflugzeuge für die US-Luftwaffe den Kürzeren. Der mindestens 35 Milliarden Dollar schwere Auftrag ging nach einem jahrelangen Schlagabtausch an Boeing. Eine Fusion mit BAE könnte dem Airbus-Mutterkonzern die Tür zum US-Rüstungsmarkt aufstoßen, sagen Branchenkenner. Auch in den wichtigen Exportmärkten in Arabien und dem Nahen Osten könnten die Europäer gemeinsam dem Erzrivalen Boeing besser Konkurrenz machen.

EADS-Chef Tom Enders sieht die Fusionspläne als „einzigartige Chance“. In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter bestätigt er laufende Gespräche. Er sei überzeugt, „dass ein Zusammenschluss von EADS und BAE Systems eine einzigartige Chance für unser Unternehmen darstellt. Gemeinsam würden wir ein weltweit führendes Unternehmen der Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie schaffen“.

Der US-Flugzeugbauer und Rüstungskonzern Boeing blickt dem Zusammenschluss gelassen entgegen. „Ich sehe nicht, dass uns das fundamental schaden wird“, sagte Boeing-Chef Jim McNerney. „Ich habe ein ziemlich tiefes und beständiges Vertrauen in die Stärke unseres Unternehmens.“

Die Anleger zeigen sich von den Plänen jedoch nicht begeistert. In Paris und Frankfurt brachen die Aktien der Airbus-Mutter um mehr als zehn Prozent ein, nachdem die Aktien am Mittwoch schon um fünf Prozent gefallen waren. BAE Systems notierten in London ebenfalls im Minus und gaben mit einem Abschlag von sieben Prozent einen Teil ihrer Kursgewinne vom Vortag ab. Nach Bekanntwerden der Fusionspläne hatten die Aktien des britischen Konzerns am Mittwoch noch mit einem Plus von zwölf Prozent aufgewartet.


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  • Sie meinen mit der CDU-FDP-Koalition von 1982 bis 1998.

  • Mit der SPD hatte in den 90ern der Ausverkauf der deutschen Luft- und Raumfahrindustrie begonnen.

  • Enders haette NIE den Job als EADS Chef bekommen mit einer pro-deutschen Einstellung.
    Nach Enders wird die Kontrolle endgueltig in franzoesische Hande gehen.

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