Fusion von GM und Renault-Nissan
Ghosn und Wagoner gehen auf Distanz

Mehr als 375 Aussteller zeigen auf dem Pariser Autosalon in den kommenden zwei Wochen ihre neuesten Modelle – 60 Weltpremieren sind angekündigt. Doch das beherrschende Thema ist ein anderes: Die geplante Allianz von General Motors und Renault-Nissan. Die Gespräche der beiden Autohersteller stehen vor der Zerreißprobe.

PARIS. Einen Tag nach einem Spitzengespräch über eine mögliche Dreier-Allianz zwischen den Autobauern General Motors (GM) und Renault-Nissan haben die beiden Spitzenmanager erstmals Differenzen über ein Bündnis eingeräumt. Die drei Hersteller versuchten, die Differenzen untereinander zu überbrücken, sagte Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn am Rande des Pariser Autosalons. Die Standpunkte lägen nicht allzu weit auseinander.

Branchenbeobachter haben jedoch einen anderen Eindruck. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen stehen die Gespräche wegen einer Milliardenforderung von GM an Renault-Nissan vor einer Zerreißprobe: GM pocht offenbar auf eine Kompensationszahlung, da bei einer Allianz mit Renault-Nissan drei Viertel der Synergien in Milliardenhöhe auf Seiten des französisch-japanischen Verbundes anfielen. General-Motors-Chef Rick Wagoner wollte dies nicht kommentieren. Er sei aber absolut zuversichtlich, dass GM auch ohne eine Allianz mit Renault-Nissan überleben könne, spielte er vor Journalisten die Bedeutung eines solchen Bündnisses herunter.

Auf der anderen Seite beharrte GM-Großaktionär Kirk Kerkorian, der im Juni den Anstoß für die Gespräche gegeben hatte, er sehe weiter großes Potenzial für ein Bündnis. Seine Beteiligungsgesellschaft Tracinda kündigte an, sie erwäge, ihre Anteile an GM um weitere zwölf Millionen Aktien aufzustocken.

Ghosn wiederum will von Zahlungen an GM nichts wissen: „Ich halte nichts von Kompensationen. Wenn ein Ingenieur arbeitet und der andere nicht, können sie nicht vom ersten verlangen, den Zweiten zu kompensieren.“ Der Renault-Nissan-Chef schloss bereits einen zweiten Anlauf zu einer Allianz mit dem GM-Konkurrenten Ford nicht mehr aus.

Derweil prüfen Arbeitsgruppen von GM, Renault und Nissan die Vorteile einer Zusammenarbeit. Die Ergebnisse sollen Ghosn und Wagoner am 15. Oktober vorgelegt werden. Der Verbund wäre mit einem Weltmarktanteil von 25 Prozent der größte Autoproduzent der Welt. Als Reaktion darauf hatte GM-Erzrivale Ford bereits seinerseits ein Bündnis mit Ghosn ins Spiel gebracht. Hierauf könnte dieser zurückgreifen, sollte die anstrebte Allianz mit GM scheitern. Ford-Europa-Chef John Fleming betonte allerdings in Paris, dass Ford unter keinem Druck stehe, eine neue Allianz einzugehen.

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