Fusion von Holcim und Lafarge
Riese auf brüchigem Fundament

Die Zementriesen Holcim und Lafarge haben ihren Streit erst einmal beendet: Lafarge-Chef Bruno Lafont soll nicht CEO des fusionierten Konzerns werden. Das Scheitern könnte jedoch nur vertagt sein. Eine Analyse.
  • 0

ZürichDer Schweizer Baustoffproduzent Holcim und der französische Wettbewerber Lafarge haben sich nach zähem Ringen nun doch auf  Bedingungen für die angestrebte Fusion zu einem Zementriesen verständigt.  Die Einigung umweht der Wind des klassischen Kompromiss‘: Jede Seite hat nachgegeben und dafür etwas bekommen. Abseits von harten Zahlen ging es vor allem um eine Personalie.

Holcim-Präsident Wolfgang Reitzle hatte sich von seinem Verwaltungsrat am vergangenen Sonntag das Mandat geholt, den Lafarge-Chef Bruno Lafont als CEO des fusionierten Konzerns zu verhindern: Mit Lafont an der Spitze werde es keine Fusion geben, tönte es von den Schweizern.

Lafont habe mit seinem Management-Stil viel Porzellan zerschlagen, hieß es. Stets habe er versucht, bereits Vereinbartes wieder zugunsten Lafarge zurück zu drehen. Keine einfachen Umstände, wenn zwei Firmen versuchen zueinander zu finden und auf dem Weltmarkt eine Führungsrolle anstreben.

Tatsächlich soll der Franzose nun nicht mehr Chef des neuen Weltmarktführers für Zement werden. Stattdessen soll er nun mit dem langjährigen ehemaligen Linde-Vorstandschef Reitzle zusammen den Verwaltungsrat leiten. Der Kompromiss erinnert fatal an die alte Struktur der früheren EADS (heute Airbus Group), bei der es zwei CEO und zwei Verwaltungsratspräsidenten gab, je einer aus Deutschland und Frankreich.

Doch nicht nur die Struktur birgt Krisenpotenzial, auch die Kopplung der Köpfe: Reitzle soll nun mit jenem Lafont zusammen arbeiten, den er eigentlich um jeden Preis loswerden sollte. Vor diesem Hintergrund wirken Reitzles Zitate im offiziellen Einigungskommuniqué wie blanker Hohn: „Ich möchte an dieser Stelle betonen, welch großen Beitrag Bruno Lafont für den Zusammenschluss bislang geleistet hat und ich bin zuversichtlich, dass wir im neuen Verwaltungsrat gut zusammenarbeiten werden.“

Das klang in der Öffentlichkeit lange anders. Und hinter den Kulissen wurde erst recht kritisiert: Lafont wurde stets als knallharter Vertreter der Interessen Lafarge dargestellt; er sei unfähig, sich für den neuen Gesamtkonzern zu engagieren, hieß es.

Seite 1:

Riese auf brüchigem Fundament

Seite 2:

Holcim verzichtet auf Anteile

Kommentare zu " Fusion von Holcim und Lafarge: Riese auf brüchigem Fundament"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%