Fusion von MAN und Scania
Samuelsson vertraut auf die Deutschland AG

Auch einen Tag vor der von Großaktionär Volkswagen gesetzten Frist ist es MAN und Scania nicht gelungen, sich friedlich auf den Zusammenschluss zu einem neuen LKW-Konzern zu einigen. Zwar ging MAN-Chef Håkan Samuelsson gestern mit der Vorlage seines Übernahmeangebotes in die Offensive – doch Herr seines eigenen Schicksals ist er damit noch lange nicht.

MÜNCHEN / STOCKHOLM. Über den Ausgang der Übernahmeschlacht entscheidet möglicherweise schon am heutigen Freitag der Volkswagen-Aufsichtsrat, der das Thema auf seine Tagesordnung gesetzt hat. Denn auch nach der Veröffentlichung des Übernahmeangebotes bleibt die Situation festgefahren. VW als größter Einzelaktionär von Scania hatte die Schweden und MAN ultimativ aufgefordert, bis zum heutigen Freitag eine friedliche Lösung zu präsentieren.

Nach wie vor betonen alle drei Seiten, dass ein Zusammenschluss des MAN/Scania/ VW-Lastwagengeschäftes im Interesse aller sei. Bislang aber konnten sich MAN-Chef Samuelsson und Scania-Chef Leif Östling auf keinen gemeinsamen Nenner einigen. Beide beanspruchen die alleinige Führung des neuen Konzerns.

Aus VW-Aufsichtsratskreisen verlautete am Donnerstag, dass die Wolfsburger die Frist für eine friedliche Einigung durchaus verlängern könnten. Ohnehin wolle man die Entscheidung der EU-Kommission abwarten, die am 6. Dezember mögliche Auflagen für die Fusion bekannt geben wird.

VW will die friedliche Einigung, um nicht am Ende eine feindliche Übernahme unterstützen zu müssen. Denn Großaktionär Investor hat bei Scania mittlerweile eine Sperrminorität aufgebaut und kann eine Fusion blockieren. Samuelsson hat aber einen stärkeren Trumpf, falls Investor eine Gegenofferte gegen MAN startet. „Die VW-Arbeitnehmervertreter werden eine feindliche Übernahme von MAN nicht unterstützen“, sagt ein hoher IG-Metall-Funktionär.

Da auch das Land Niedersachsen unter der Führung des Ministerpräsidenten Christian Wulff eine solche Lösung kaum mittragen kann, steht MAN faktisch unter dem Schutz der Deutschland AG, dem Beziehungsgeflecht aus Politik, Gewerkschaften und Industrie.

Doch auch aus eigener Kraft gibt es für Samuelsson keinen Durchbruch. MAN bietet 475 Kronen pro Scania-Aktie. Die Münchener halten bereits 15,4 Prozent der Scania-Anteile, brauchen aber noch die Stimmrechte von Volkswagen (34 Prozent) und die kombinierten Stimmrechte der schwedischen Industrieholding Investor sowie der Familie Wallenberg, die noch einmal 30 Prozent der Scania-Stimmrechte kontrolliert. Die geben sich kühl: Weder Scanias zweitgrößter Aktionär, die Wallenberg-Holding Investor, noch Scania selbst ließen sich von dem offiziellen Übernahmeprospekt von MAN überzeugen. „Alles Wesentliche ist gegenüber der Übernahmeofferte von September unverändert geblieben, und damals wie heute sagen wir ‚Nein’“, erklärte ein Investor-Sprecher dem Handelsblatt. „Die Option auf ein Gegengebot bleibt bestehen“, erneuerte er die Möglichkeit, dass Scania und Investor selbst für MAN bieten.

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