Fusion von Wincor Nixdorf und Diebold
Der IT-Pionier muss sich kräftig strecken

Der angeschlagene Geldautomaten-Hersteller Wincor Nixdorf steht kurz vor der Übernahme durch den US-Konkurrenten Diebold. Lange hatte sich der Konzern gesträubt. Nun erkennt er die Vorteile einer Fusion. Eine Analyse.

DüsseldorfVor zwei Wochen noch zeigte sich Eckard Heidloff ziemlich zurückhaltend, was die Chancen einer Einigung betraf: Ob Wincor Nixdorf wirklich mit dem US-Konkurrenten Diebold zusammengehen oder seine Zukunft auf dem als schwierig geltenden Markt für Geldautomaten und Kassensysteme allein suchen werde, sei längst nicht ausgemacht: „Wir sind kein Unternehmen, das angeschlagen ist und darauf wartet, übernommen zu werden“, sagte der Wincor-Chef zu der Zeit durchaus selbstbewusst. „Ein solcher Zusammenschluss hat Vor- und Nachteile.“

Nun scheinen nach wochenlangen Verhandlungen die Vorteile auch für den zuvor eher skeptischen Heidloff überwogen zu haben: Am Montag gaben Wincor Nixdorf und Diebold eine Übereinkunft bekannt, nach der beide Unternehmen ihre Zukunft in einem gemeinsamen, weltweit operierenden Konzern sehen. „Wir haben Schritt für Schritt festgestellt, dass ein Zusammenschluss für beide Unternehmen die bessere Option ist“, sagt Heidloff. Nun müssen nur noch die Aktionäre zustimmen.

Damit entsteht nun eine starke Nummer zwei der Branche hinter dem aber weiter unangefochtenen Weltmarktführer NCR, ebenfalls aus den USA. Heidloff musste letztlich einsehen, dass Wincors Chancen, auf Dauer wirklich allein überleben zu können, zu gering waren.

Zu sehr verändern sich gerade Kunden und Märkte und damit auch die eigene Branche: Hardware wie beispielsweise Bankautomaten – eine der langjährigen Stärken von Wincor – spielt eine immer geringere Rolle. Software und Service treten an ihre Stelle – mit einem erheblichen Aufwand an Forschung und Entwicklung. Alle drei großen Hersteller haben zwar diese Transformation eingeleitet, Wincor aber als letzter.

So ging es für Heidloff in den intensiven Gesprächen mit Diebold um größtmögliche Schadensbegrenzung. Das ist ihm weitgehend gelungen, wie man an zwei Ergebnissen ablesen kann: Die Führungsspitze ist paritätisch mit Wincor- und Diebold-Managern besetzt. Und einen weitergehenden Arbeitsplatzabbau sowie Kostensenkungen in Deutschland als bislang schon von Wincor geplant, soll es trotz erster Befürchtungen bis zum Ende des Geschäftsjahres 2017/18 nicht geben.

Das ist gut für die Beschäftigten – aber auch nur ein Zwischenschritt. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich die Zukunft des Wincor-Erbes vorzustellen. Spätestens in drei Jahren, wenn die Fusion abgeschlossen sein soll, werden Investitionsentscheidungen konzernweit entschieden und zwar nach dem größtmöglichen Kosten-Nutzen-Effekt.

In einem Markt, der sich immer stärker über Software und Service definieren wird, müssen sich die Wincor-Standorte mächtig anstrengen, um im internen Wettbewerb nicht auf der Strecke zu bleiben. Schaffen sie es nicht, bleibt von dem ehemaligen IT-Pionier Wincor Nixdorf nur noch eine Fußnote in der von Erfolgen nicht gerade reich gesegneten IT-Geschichte Deutschlands.

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