Fusionen und Übernahmen

Elefantenhochzeiten sorgen 2015 für Rekordvolumen

2015 war das Jahr der großen Fusionen. Mit einem Volumen von rund fünf Billionen US-Dollar haben Firmen im vergangenen Jahr so viel für Übernahmen ausgegeben wie nie zuvor. Vor allem Großfusionen hatten Konjunktur.
Elefantenhochzeiten nennt man Fusionen von Konzernen, die ein Volumen von mehr als zehn Milliarden US-Dollar haben. Quelle: ZBSP
Großfusionen

Elefantenhochzeiten nennt man Fusionen von Konzernen, die ein Volumen von mehr als zehn Milliarden US-Dollar haben.

(Foto: ZBSP)

LondonDas Transaktionsvolumen der Firmenfusionen und -übernahmen in aller Welt hat dieses Jahr einen Rekordwert erreicht. Erstmals sei die Schwelle von fünf Billionen Dollar (4,6 Billionen Euro) überschritten worden, teilte das Beratungsunternehmen Dealogic am Dienstag mit. Vom 1. Januar bis zum 29. Dezember habe sich das Volumen auf 5,03 Billionen Dollar summiert. Im Vergleich zu 2014 sei dies ein Anstieg um 37 Prozent.

Vor allem Großfusionen ab einem Volumen von zehn Milliarden Dollar hätten die Entwicklung vorangetrieben, erklärte Fidelia Liu von Dealogic. Dieses Jahr gab es demnach 69 solcher Elefantenhochzeiten, mehr als doppelt so viele wie 2014. Zehn der Fusionen hatten laut Dealogic sogar ein Volumen von jeweils mehr als 50 Milliarden Dollar.

Der mit Abstand größte Zusammenschluss des Jahres ereignete sich in der Pharmabranche: Für die Fusion der US-Branchenriesen Pfizer und Allergan wurde ein Preis von 160 Milliarden Dollar vereinbart. Noch teurer war überhaupt nur eine einzige Übernahme in der Geschichte: die des deutschen Unternehmens Mannesmann durch Vodafone Ende 1999. Damals flossen 172 Milliarden Dollar.

Im Jahr 2015 landete auf Platz zwei die Übernahme des Brauereiriesen SABMiller durch den Weltmarktführer Anheuser-Busch InBev. Hier lag der Preis bei 117,4 Milliarden Dollar. Sowohl die Bier- als auch die Pharmafusion müssen noch von den zuständigen Aufsichtsbehörden genehmigt werden.

Diese Übernahmen scheiterten spektakulär
Bank of Scotland - National Westminster Bank 1999
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NatWest-Vorstandsvorsitzender Sir David Rowland (r.) im Jahr 1999: Die National Westminster Bank (NatWest), eine der größten britischen Banken, hat 1999 nach zweieinhalb Monaten den Kampf um ihre Unabhängigkeit verloren. Bieter waren die Royal Bank of Scotland und der Konkurrent Bank of Scotland. Die Bank of Scotland bot 41,74 Milliarden Dollar – zu wenig für die NatWest. Den Übernahmekampf hat die RBS gewonnen.

Quelle: Dealogic

France Telecom - TeliaSonera 2008
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France Telecom-Chef Stephane Richard auf einer Konferenz 2015: Vor sieben Jahren erhoffte sich France Telecom, mit der Übernahme des schwedisch-finnischen Konkurrenten TeliaSonera zum viertgrößten Telekommunikationskonzern der Welt aufzusteigen. Doch beide Konzerne konnten sich auf kein passendes Angebot einigen. Die Franzosen wollten den Konkurrenten für 41,78 Milliarden Dollar kaufen.

Bell Atlantic - Airtouch 1999
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Bell-Atlantic-Chef (l., hier mit GTE-Chef Charles R. Lee) auf einer Pressekonferenz 1998: Um die amerikanische Telekommunikationsfirma AirTouch Communications war im Jahr 1999 offenbar ein Übernahmekampf entbrannt. Obwohl die geplante Übernahme des Telefonkonzerns GTE noch nicht perfekt war, wollte Bell Atlantic den Mobilfunkanbieter kaufen – für 44,05 Milliarden Dollar. Doch zur Übernahme kam es dann doch nicht. Als Grund nannte Bell Atlantic die anstehende Fusion von Airtouch mit dem britischen Mobilfunkunternehmen Vodafone.

General Electric - Honeywell 2000
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General-Electric-Chef Jeffrey R. Immelt spricht vor Mitarbeitern im Jahr 2014: Zunächst schien der umfangreichsten Fusion der Welt im Jahr 2000 nichts im Weg zu stehen. General Electric hat die Bieterschlacht um Honeywell International gewonnen. Die Übernahme kostete General Electric (GE) 44,16 Milliarden Dollar. Doch die EU-Kommission hat die Übernahmeofferte des US-Mischkonzerns General Electric für den Technologieriesen Honeywell kurz darauf abgelehnt. Die Fusion würde für GE eine marktbeherrschende Stellung in der Luftfahrtindustrie schaffen oder verstärken, war die Begründung der Kommission damals.

Comcast - Time Warner Cable 2014
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Ein Fahrzeug von Comcast: Es sollte die Mega-Hochzeit im US-Fernsehmarkt werden. Comcast, der größte Kabelfernseh-Anbieter in den USA, wollte die Nummer zwei, Time Warner Cable, übernehmen. Mitte April 2015 ist der Deal (45,25 Milliarden Dollar) geplatzt. Wettbewerbshüter und Regierung senkten die Daumen. Sie fürchteten eine zu große Marktmacht des neuen Konzerns.

Microsoft - Yahoo 2008
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Microsoft-Chef Satya Nadella im Jahr 2014: Nach einem drei Monate langen Tauziehen hat der Softwareriese Microsoft 2008 sein milliardenschweres Übernahmeangebot für den Internet-Konzern Yahoo zurückgezogen. Beide Seiten konnten sich nicht auf einen Kaufpreis einigen. Nachdem Microsoft das Angebot von 47,48 Milliarden Dollar zum zweiten Mal verbessert hatte, war Yahoo damit nicht zufrieden. Yahoo lehnte das Microsoft-Angebot ab und verlangte weit mehr als 50 Milliarden Dollar.

Comcast- Mediaone 1999
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Mediaone-Chef Charles M. Lillis (l.) und Comcast-Chef Brian Roberts bei einer Pressekonferenz im Jahr 1999: Es hätte wieder eine Elefantenhochzeit gegeben – eine rein US-amerikanische. Comcast hatte 48,65 Milliarden Dollar in Aktien für die Mediaone Group angeboten und damit den Kürzeren gezogen. Mediaone Group hat das Übernahmeangebot des größten US-Telefonkonzerns AT&T akzeptiert.

Hintergrund des Übernahmebooms ist unter anderem eine allgemeine Verbesserung des Marktklimas seit der weltweiten Finanzkrise. 2009 etwa war das weltweite Fusionsvolumen nicht einmal halb so groß wie 2015. Außerdem können Unternehmen derzeit wegen der lockeren Geldpolitik der großen Notenbanken günstig an Kredite kommen.

  • afp
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