Fusions-Gerüchte
Siemens dementiert Bündnis mit Thyssen-Krupp

Spekulationen über eine Fusion von Siemens und Thyssen-Krupp blühen seit einigen Wochen. Siemens will von einem Bündnis nichts wissen. Finanzvorstand Kaeser sagt: „Wir haben noch nie darüber diskutiert.“
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MünchenDie Spekulationen halten sich seit Monaten – und zwar hartnäckig. Nach einem Umbau zum Technologiekonzern und Anlagenbauer könnte sich Thyssen-Krupp mit dem Siemens-Konzern verbünden, wird gemunkelt. Am Ende könne die „deutsche Industrie vor einem der größten Merger der vergangenen Jahrzehnte stehen“, schreibt die „Wirtschaftswoche“ in ihrer neuen Ausgabe.

Doch in München dementiert Siemens entschieden. „Ich glaube, einer der wenigen Namen, über die wir als Übernahmeziel noch nie diskutiert haben, ist Thyssen-Krupp“, sagte Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser dem Handelsblatt. Vorstandschef Peter Löscher hatte sich kürzlich auf der Hauptversammlung ähnlich geäußert. Man kenne die Berichte über Überlegungen, Teile von Siemens und Thyssen-Krupp zusammenzulegen. Doch das seien „Spekulationen, die keinerlei geschäftliche Grundlage haben und damit jeder konkreten Grundlage entbehren“.

Dass sich die Gerüchte dennoch hartnäckig halten, hat vor allem einen Grund: „Wir teilen ja schon eine der wertvollsten Ressourcen, die Unternehmen haben können“, scherzt Kaeser. Er meint damit den gemeinsamen Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme, der bei den Traditionskonzernen im Hintergrund die Strippen zieht. Er hat auch den Siemens-Industriechef Heinrich Hiesinger als neuen Vorstandschef zu Thyssen-Krupp geholt. Und dieser könnte jetzt den Ruhrkonzern so umbauen – zum Beispiel durch die komplette Trennung vom Stahlgeschäft –, dass er gut zum Infrastrukturkonzern Siemens passen könnte.

Dass sich die Unternehmen teilweise ganz gut ergänzen würden, sehen viele so. Und Siemens-Chef Löscher käme so leichter an sein Ziel von 100 Milliarden Euro Umsatz, das ohne Großzukäufe nur schwer erreichbar sein wird. Doch hier hatte Kaeser ohnehin schon etwas die Luft rausgenommen. Ob dieses in vier, fünf oder sieben Jahren erreicht werde, sei „weit weniger relevant“. An der Börse kamen die Spekulationen gut an. Die Aktien des Essener Konzerns legten im Geschäft von Lang & Schwarz und im Frankfurter Frühhandel jeweils rund zwei Prozent zu. Siemens notierten rund ein Prozent fester.

Im Umfeld der Siemens-Spitze werden die Spekulationen jedenfalls ins Reich der Fabel verwiesen. Schließlich würde Siemens sich eine Menge Probleme ins Haus holen. Hiesinger habe mit dem Umbau von Thyssen-Krupp eine echte Herkules-Aufgabe übernommen, sagte Kaeser. Das Experiment beobachten die Münchener Manager wohl lieber aus sicherer Entfernung. Doch ein Hintertürchen gibt es noch: Was Cromme wirklich vorhabe, sagt ein Konzern-Insider, das wisse immer nur ein sehr kleiner Kreis. (mit Material von Reuters)

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

Kommentare zu " Fusions-Gerüchte: Siemens dementiert Bündnis mit Thyssen-Krupp"

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  • Diese Fusion wäre doch einfach klasse, da sind bestimmt gigantische Synergieeffekte zu heben. Beide konzerne sollten von den zahlreichen unnützen Fressern entledigt werden.

  • Daß es solch idiotische Überlegungen gibt, glaube ich wohl. Das liegt vor allem an dem weitverbreiteten Größenwahn von Konzernvorständen bzw. Aufsichtsräten. Industriell und organisatorisch macht das natürlich überhaupt keinen Sinn. Bereits jetzt ist Siemens ein Konglomerat, dessen Einzelteile überhaupt nicht zusammenpassen: Medizintechnik, Turbinenbau, Industrieautomation, Straßenbahnen, Lokomotiven, Glühbirnen, etc. Kann mal einer erklären, was das soll, und was die Siemens-Holding zum Mehrwert beiträgt? Ähnlich bei Thyssen-Krupp. Wenn beide Konzerne entsprechend der Produktlinien zerschlagen bzw. aufgeteilt sind, könnte man überlegen, welche neue Kombiantionen Sinn machen würden. Aber erst dann. Und noch eins: Ich habe mich schon immer gefragt , warum z.B. der Turbinenbereich (Gasturbinen!) von Siemens nicht im Geschäft mit Triebwerksturbinen für Flugzeuge aktiv ist. Technologisch gibt es bei den Produkten viele Überschneidungen. Jedenfalls mehr als mit Windmühlen oder Glühbirnen. Auch eine Kombination des Kraftwerksbereichs mit dem Großmaschinebereich von MAN würde durchaus Sinn machen. Dafür jetzt Thyssen-Krupp, wobei ich mir vorstellen könnte, daß Schmiedeteile von TK auch im Kraftwerkebereich von Siemens eingesetzt werden. Aber deshalb eine Megafusion? Und noch eins: Siemens ist bereits jetzt zu groß für "too big to fail". Dieses Phänomen gibt es nämlich nicht nur bei Banken. Man schüttelt den Kopf. Aber dem Duo Löscher/Cromme ist ja nichts zu blöd. Der gute Käser weiß wahrscheinlich noch gar nichts von seinem Glück, da er ja lediglich die Zahlen aufsammeln darf.

  • Es geht wieder ausschliesslich um Groessenwahn. Klar will der Machtmensch Cromme fusionieren, auch wenn es fuer Siemens keinen Sinn macht. Zuerst wird fusioniert, dann wird gestritten zwisvhen NRW/Essen u
    d BY/Muenchen wo der neue Konzernsitz, und dann wird Cromme vermeintlich genervt sagen, der Situ kommt nach Berlin. Das ist doch reinste Stuktur und Machtpolitik, auch wenn Siemens dabei leidet.
    Auch die EADSKiste,.gleiches Muster. Zentrale unter d Vorwand der Zusammenlegung in Frankreich aus Muenchen abziehen und bereits jetzt ankuendigen, dass ein weiterer Sitz in Berlin eroeffnet wird.
    Der Seehofer und der Ude sollen da mal aufpassen, was da alles im Hintergrund passiert. Die sind viel zu passiv und naiv.

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