Fusionsgedanken
Chrysler und GM verhandeln über Zusammenschluss

Noch immer gehören 20 Prozent von Chrysler dem deutschen Daimler-Konzern. Trotzdem verhandelt der US-Autobauer Kreisen zufolge bereits mit einem potenziellen neuen Partner.

HB WASHINGTON. Der angeschlagene Autobauer General Motors und die ehemalige Daimler-Tochter Chrysler führen Kreisen zufolge Sondierungsgespräche über einen Zusammenschluss. Die Gespräche hätten bereits vor mehr als einem Monat begonnen, befänden sich aber noch in einem "sehr frühen" Stadium, sagte eine mit der Sache vertraute Person am Samstag. Die Chancen, dass es zu einer Fusion komme, bezifferte die "New York Times" unter Berufung auf zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen auf 50 zu 50. Das "Wall Street Journal" berichtete unterdessen, die Fusionsgespräche seien wegen der derzeitigen Marktturbulenzen ausgesetzt worden. Chrysler und GM wollten sich nicht dazu äußern. Chrysler-Besitzer Cerberus war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Amerikas Autobauer leiden derzeit massiv unter der Finanzkrise und gestiegenen Spritkosten. Die Nachfrage nach Autos ist in Amerika so schwach wie seit 15 Jahren nicht mehr. Den Konsumenten fehlt das Geld für den Kauf neuer Wagen und den Herstellern die Mittel für Investitionen.

Analysten haben bereits seit längerem angezweifelt, ob Chrysler es alleine schafft. Gut 90 Prozent seines Umsatzes macht der US-Hersteller in seinem Heimatmarkt und ist der schweren Krise daher besonders stark ausgesetzt. Bei einer Fusion von GM und Chrysler kämen allerdings zwei Firmen zusammen, die unter den gleichen Schwächen litten, merkten Analysten in einer ersten Reaktion auf die Gespräche an.

Bereits seinem früheren Eigner, dem Stuttgarter Daimler Konzern, brachte Chrysler kein Glück. 1998 hatten sich die damalige Daimler-Benz und der US-Autobauer auf eine Fusion geeinigt. 2007 trennte sich Daimler aber wieder von gut 80 Prozent an Chrysler und verkaufte sie an den Finanzinvestor Cerberus. Die restlichen 20 Prozent wollen die Stuttgarter auch noch so schnell wie möglich loswerden und verhandeln darüber derzeit mit Cerberus. Davon sei eine mögliches Zusammengehen von Chrysler und GM abhängig, sagte die mit der Sachlage vertraute Person. Einen ersten Anlauf für eine Fusion hatten Chrysler und GM bereits Anfang 2007 unternommen, als Daimler seine US-Tochter zum Verkauf stellte.

GM hatte - ebenso wie Konkurrent Ford - zuvor am Freitag erklärt, das Unternehmen lehne den Antrag auf Gläubigerschutz als Weg aus der schwersten wirtschaftlichen Krise seit Jahrzehnten ab. Die GM-Aktie war am Donnerstag im Zuge des Einbruchs der US-Börsen mit einem Verlust von 31 Prozent auf den tiefsten Wert seit fast 60 Jahren abgestürzt. In einem ungewöhnlichen Schritt erwägt GM der Wirtschaftspublikation "Barron's" zufolge, sich direkt bei der US-Notebank Fed einen Kredit zu holen, um seine Finanzsituation zu verbessern. Erst kürzlich hat die US-Regierung ihrer kriselnden Autoindustrie mit einem 25 Mrd. Dollar schweren Kreditprogramm unter die Arme gegriffen.

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