Fusionspläne
VW und Porsche kämpfen um die Spitze

Nach der angekündigten Fusion der beiden Autohersteller VW und Porsche geht das Ringen um die Macht erst richtig los. Die Wolfsburger geben sich siegessicher. Doch Überraschungen sind immer möglich. noch ist unklar, wer künftig in dem Konzern das Sagen haben wird.

STUTTGART/WOLFSBURG/BERLIN. Zur Triumphfeier in der Wolfsburger Zentrale von Volkswagen kam am Donnerstag passender Besuch aus Frankfurt an den Mittellandkanal. IG-Metall-Chef Berthold Huber hatte sich als Gastredner angesagt, für eine Konferenz der 200 Betriebsräte des Konzerns. Am Rand des Treffens blickte er, eingerahmt von VW-Betriebsratsboss Bernd Osterloh und VW-Chef Martin Winterkorn, stolz in die Kamera. Was für ein Sieg!

Unabhängig von den ausstehenden Details für den am Mittwoch verkündeten „integrierten Autokonzern“ aus Volkswagen und seinem Großaktionär Porsche, die innerhalb von vier Wochen feststehen sollen, ist klar: Am einzigartigen Mitbestimmungsmodell der Niedersachsen, abgesichert von der Satzung des Unternehmens und dem erneuerten VW-Gesetz, kommen die aggressiven Porsche-Manager nicht vorbei. Im Gegenteil: Sie holen sich die verhasste Fußfessel unternehmerischer Freiheit ins Stuttgarter Stammhäusle.

Mit feinen Nadelstichen piesacken die VW-Granden nun Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der lange wie „die Axt im Walde in Wolfsburg aufgetreten ist“, wie Beteiligte zitieren. Zum Krisengipfel der Familien Porsche und Piëch am Mittwochnachmittag seien er und VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch zusammen mit VW-Chefaufseher Ferdinand Piëch in Salzburg gewesen, berichtet Winterkorn. Allein die Anwesenheit des Wolfsburger Führungsduos beim Eigentümergipfel von Porsche düpierte Wiedeking. Doch es kam noch schlimmer. Vergleicht man das Ergebnis mit der Erklärung, die Wiedeking hatte vorbereiten lassen, wird deutlich, welche Kröte die finanziell angeschlagenen Stuttgarter schlucken müssen. Die anstehenden Verhandlungen mit dem Land Niedersachsen als zweitem VW-Großaktionär und dem Betriebsrat der Wolfsburger sollen nicht wie vorgesehen Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter autonom führen – sondern Winterkorn und Pötsch gleich mit.

Vor der verunsicherten Porsche-Belegschaft in Stuttgart versuchte Wiedeking am Donnerstag, den Schaden zu begrenzen. „Das ist keine Hochzeit im Himmel, sondern eine Vernunftehe“, musste der Manager mit einem geschätzten Jahressalär von zuletzt 80 Millionen Euro seiner Belegschaft erklären. Die von Piëch favorisierte Übernahme von Porsche durch VW sei abgewendet. „Wir haben unser Konzept durchgesetzt“, rief Wiedeking. Doch der Preis ist hoch – und das spüren die Männer von den Porsche-Bändern ganz genau. Sie haben von ihrem Chef gelernt, auf die Zahlen zu schauen – und bekommen spitze Ohren, als er ihnen zuruft: „Ohne Kapitalerhöhung wird es nicht gehen.“ Bislang hatte Wiedeking immer getönt, dass die Stuttgarter Europas größten Autobauer VW bekommen würden und nicht einmal Geld dafür bezahlen müssten. „Die wirtschaftliche Lage hat sich geändert“, sagen seine Sprecher.

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