Fußball-Nationalmannschaft: Strenesse zieht Männer an

Fußball-Nationalmannschaft
Strenesse zieht Männer an

Nach mehreren Krisenjahren wächst das Modeunternehmen Strenesse wieder. Nun stattet das Modeunternehmen die Fußball-Nationalmmanschaft aus und will sich damit auch als Herrenmodemarke profilieren.

HB DÜSSELDORF. „Das noch bis Ende Mai laufende Geschäftsjahr 2005/2006 werden wir mit einem leichten Umsatzplus abschließen“, sagte Gerd Strehle, Vorstandsvorsitzender und Mehrheitsgesellschafter von Strenesse, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Nicht nur die Kollektionen würden besser ankommen. Auch die Konsumlust sei wieder da: „Die Stimmung ist so gut wie zuletzt vor den Terroranschlägen in New York.“

Als neuer Modeausstatter der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft will sich das Unternehmen aus dem bayrischen Nördlingen auch als Herrenmodemarke profilieren. Seit ihrer ersten Präsentation 2002 in Mailand blieb die Herrenlinie von Strenesse eher ein Geheimtipp. Der Durchbruch blieb aus. Große Marketingkampagnen wie die des Branchenprimus Hugo Boss kann sich das Familienunternehmen nicht leisten. „Die Fußball-Weltmeisterschaft ist unsere große Chance, mit der Männerkollektion durchzustarten“, sagte Strehle, „die Männerkollektion ist nach wie vor ein Start Up. Der Break-Even ist noch nicht erreicht“.

Nach dem Verkauf der Marken Jil Sander und Joop! an internationale Konzerne und Konsortien ist Strenesse die letzte verbliebene unabhängige deutsche Designmarke mit Weltgeltung. Auf der New Yorker Fashion Week präsentierte Chefdesignerin Gabriele Strehle nach dem erfolgreichen Debüt im vergangenen November die Kollektionen Anfang Februar zum zweiten Mal. Eine Führungskrise brachte das Unternehmen im vergangenen Herbst aber in die Schlagzeilen. Nach einem kurzen Intermezzo mit Fremdmanager Peter Kappler an der Spitze übernahm Familienpatriarch Gerd Strehle wieder die Führung.

Mit einem Jahresumsatz von zuletzt 84 Mill. Euro und rund 500 Mitarbeitern ist die Modemarke zu klein um mit Großen der Branche wie dem italienischen Modekonzern Prada mithalten zu können. Auch die Krise der Luxusgüterbranche Anfang des Jahrzehnts in Folge von Terroranschlägen und Sars-Epidemie überwand der Mittelständler nicht so schnell wie die großen Luxusgüterkonglomerate LVMH und Richemont. Ähnlich erging es dem Münchener Modekonzern Escada: Das Traditionsunternehmen rutschte tief in die roten Zahlen. Erst mit der Geldspritze des Finanzinvestors HMD, der bis dato 12,5 Prozent an Escada hält, gelang die Restrukturierung.

Strenesse will den erneuten Aufstieg mit eigenen finanziellen Mitteln stemmen. Bei einer guten Unternehmensentwicklung schließt Strehle den im Jahr 2000 eingeleiteten, aber bis dato nicht vollzogenen Börsengang aber nicht mehr aus. Zudem zeigt sich der Haupteigner offen für externe Partner: „Wenn wir uns

groß entwickeln, brauchen wir einen finanzstarken Partner.“

Ein erster Schritt ist der Exklusivvertrag mit dem Deutschen Fußball- Bund über die Ausstattung der Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft 2006 und die Europameisterschaft 2008. Eine vergleichbare internationale Marketingkampagne hätte sich der Mittelständler, der die Hälfte seines Umsatzes in Deutschland macht, nie leisten können. Wie schon die Münchener Sportmodemarke Bogner für die Olympischen Winterspiele in Turin setzte sich auch Strenesse mit einem eigenwilligen Konzept gegen Konkurrenten wie Adidas oder Hugo Boss durch.

Die Herrenkollektion ist nicht das einzige Sorgenkind. Der Auf- und Ausbau einer eigenen Accessoires-Kollektion hakt. Bisher tragen Accessoires weniger als fünf Prozent zum Umsatz bei. Die Folge: Im margenträchtigen Geschäft mit Taschen, Gürteln und Schuhen haben andere Marken die Nase vorn. „Accessoires fördern das Image und bringen Umsatz“, sagt Strehle, „in dem Segment müssen wir uns stärker engagieren.“

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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