Fußmatten
Toyota wird von seinen Kunden verklagt

Toyota macht wegen Qualitätsmängeln weiter von sich reden. In den USA planen Kunden, Klagen gegen Toyota einzureichen. Hintergrund ist, dass einige Modelle zu unkontrollierter Beschleunigung neigen. Und wer die US-Justiz und solchen Dingen kennt, ahnt schon, dass sich da große Probleme für den Autobauer anbahnen.
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TOKIO. Kunden in den USA verklagen den japanischen Autokonzern Toyota: „Weder Fahrerfehler von Bodenmatten können die vielen Fälle von durchgehenden Toyotas wegerklären“, sagte der federführende Rechtsanwalt David Wright. In den letzten Jahren hatten mehrere Fahrer ihre Toyotas in den USA nicht mehr bändigen können.

Bei einer Reihe schwerer Unfälle waren 16 Tote zu beklagen. US-Behören und Toyota sehen die Hauptursache bisher darin, dass sich Bodenmatten von Drittanbietern vor dem Gaspedal verklemmen und es herunterdrücken. Der Motor lässt sich bei den neueren Modellen nicht mit einem Zündschlüssel stoppen, weil es nur einen Knopf gibt. Wright vertritt Kläger in 2000 Fällen. Zu möglichen Schadenersatzforderungen wurde am Wochenende noch nichts bekannt.

Die Klage kommt nur einen Tag nach einer anderen Schlappe in der Fußmatten-Affäre. Eine US-Verkehrssicherheitsbehörde kritisierte den japanischen Hersteller dafür, die Probleme mit der ungewollten Beschleunigung beschönigt zu haben. Toyota hatte eine Pressemitteilung herausgegeben, in der es die Affäre praktisch als gelöst darstellte. Die National Highway Traffic Safety Administration habe herausgefunden, dass verklemmte Bodenmatten anderer Hersteller die Ursache für die Zwischenfälle seien und werde die Kunden jetzt in einem Brief über die korrekte Anwendung des Zubehörs informieren, sagte Toyota.

Doch das reichte der Behörde bei weitem nicht. Sie nannte die Mitteilung „ungenau und irreführend“, das Problem sei mitnichten gelöst. Ein Verzicht auf den Bodebelag sei allenfalls ein "kurzfristiges Behelf", es liege jedoch eine grundsätzliche Schwäche der Fahrzeuge vor. „Offenbar hat es Missverständnisse gegeben“, sagte Konzernvize Yoichiro Ichimaru in Tokio.

Die Klage in Kalifornien beschäftigt sich – anders als die Untersuchung der Behörde – nicht auf die Bodenmatten, sondern auf die Elektronik des Fahrzeugs. Das Gas werde in den betroffenen Modellen vom Computer geregelt, die Autos hätten also quasi eigenmächtig beschleunigt, so der Vorwurf. Ein Toyota-Sprecher in Tokio sagte dagegen, dass die Kraftstoffzufuhr weiterhin mechanisch mit dem Gaspedal verbunden sei – wenn das Pedal nicht gedrückt sei, dann bekomme der Motor auch keinen Saft.

„Bis das Unternehmen die wahre Ursache offenlegt und repariert, könnten weitere Verletzungen und Todesfälle auftreten“, sagte Anwalt Wright von der Kanzlei McCuneWright. Er vertritt in dem Fall zunächst nur die zwei Toyota-Fahrer Seong-Bae Choi und Chris-Chan Park, sieht jedoch Relevanz des Urteils für 2000 weitere Fälle. Ähnliche Fälle von ungewollter Beschleunigung aus Europa und Asien sind nicht bekannt.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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