Gabelstapler-Hersteller
Kion schließt Werke und kürzt Belegschaft

Der starke Einbruch der Nachfrage im Markt für Gabelstapler und Lagertechnik veranlasst die Hersteller vermehrt zu Werksschließungen und Stellenstreichungen. Nach dem Hamburger Anbieter Jungheinrich hat jetzt auch der Wiesbadener Hersteller Kion ein Sparprogramm beschlossen.

DÜSSELDORF. Die früher zum Linde-Konzern gehörende Kion mit den Marken Linde, Still, OM und Baoli schließt zwei Werke und will 1 700 der rund 8 000 in Deutschland beschäftigten Mitarbeiter in eine Servicegesellschaft ausgliedern, wie ein Unternehmenssprecher gestern sagte.

Im vergangenen Jahr steigerte Kion seinen Umsatz um 5,6 Prozent und erzielte mit 4,6 Mrd. Euro einen Rekord. Damit ist Kion nach Toyota der weltweit zweitgrößte Hersteller von Gabelstaplern und Lagertechnik. Das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern stieg um 7,1 Prozent auf 353 Mio. Euro. Allerdings zeichnete sich die Marktschwäche bereits ab, der Auftragseingang fiel um 4,2 Prozent auf 4,4 Mrd. Euro.

Inzwischen liegt die Auslastung der Werke von Kion nach Angaben des Sprechers nur noch bei rund 70 Prozent. 7 000 der Beschäftigten in Deutschland arbeiten kurz, im Durchschnitt 30 Prozent. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen liegt der Gewinn nahe der Nulllinie. Da die Geschäftsführung nicht von einer Konjunkturerholung ausgeht, wird jetzt die Kapazität reduziert: In Reutlingen wird eines von zwei Werken geschlossen, die Fertigung wird weitgehend in das Werk Hamburg verlagert. Das Werk im britischen Basingstoke bei London beendet die Produktion, von 550 Beschäftigten behalten nur 200 Beschäftigte im Vertrieb ihre Stelle. Im Ausland werden nach Angaben des Sprechers in den nächsten zwei Jahren 1 300 Stellen gestrichen. Zur Zeit beschäftigt Kion im Ausland 12 400 Personen. In den vergangenen Monaten wurden nach Firmenangaben schon „einige Hundert“ Stellen in Italien, Großbritannien und den USA gestrichen.

In Deutschland will Kion ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen. Durch ein Beschäftigungsabkommen ist dies im Prinzip bis Ende 2011 auch nicht möglich. Deshalb sollen 1 700 Beschäftigte in eine Servicegesellschaft ausgelagert werden. Diese würden dann von der Arbeit komplett freigestellt, das Kurzarbeitergeld soll aber durch das Unternehmen „deutlich“ aufgestockt werden. Dadurch werde sich die Beschäftigungssituation in den deutschen Kion-Werken in Aschaffenburg, Hamburg und Reutlingen deutlich verbessern. Die Arbeitnehmervertreter stehen nach Angaben des Kion-Sprechers hinter dem Konzept. Gestern war von diesen keine Stellungnahme zu erhalten.

Kion gehörte bis 2006 zum Linde-Konzern. Dieser konzentrierte sich nach der Übernahme des Konkurrenten BOC auf das Geschäft mit Industriegasen und verkaufte die Gabelstaplersparte an die Finanzinvestoren KKR und Goldman Sachs. Der geplante Börsengang hat bisher nicht geklappt.

Ähnlich wie Kion kämpft auch der Hamburger Konkurrent Jungheinrich gegen die Krise an. Mit einem Umsatz von 2,1 Mrd. Euro im vergangenen Jahr ist das Unternehmen die Nummer drei im Weltmarkt. Jungheinrich hat eine starke Position in der Lagertechnik und ist daher weniger stark von Konjunkturschwankungen getroffen als Kion, das stärker auf Gabelstapler setzt.

Im ersten Quartal ist Jungheinrich allerdings in die roten Zahlen geraten. Für 2009 erwartet der Vorstand nach den Angaben auf der Hauptversammlung vor zwei Wochen einen Umsatzrückgang um 20 Prozent, rechnet aber nicht mit einem Verlust. Jungheinrich fährt in seinen Werken in Norderstedt bei Hamburg und im bayerischen Moosburg Kurzarbeit. Der Vorstand verhandelt derzeit mit dem Betriebsrat über einen Arbeitsplatzabbau.

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