Gallois löst Streiff ab
Neuer Airbus-Chef will Stellen streichen

Louis Gallois heißt der frisch gekürte Chef des Flugzeugbauers Airbus. Der Franzose ist in Personalunion einer der beiden Lenker des Mutterkonzerns EADS. Durch die Doppelfunktion hat die EADS-Führung nun direkten Zugriff auf ihre Tochter. Und diese Macht will Gallois nutzen. Auch unter ihrem neuen Chef stehen den Mitarbeitern schwere Zeiten bevor.

HB/fas/ali PARIS/MÜNCHEN. Gallois will den Sanierungsplan „Power8“ seines Vorgängers Christian Streiff „sofort“ voll umsetzen. „Es wird einen Abbau von Arbeitsplätzen geben“, sagte der 62-Jährige Gallois am Dienstag dem französischen Radiosender „Europe 1“. Die Einsparungen müssten gleichmäßig auf Frankreich und Deutschland verteilt werden und würden vor allem Verwaltungs- und Managementposten betreffen. Dagegen benötige die Tochter des EADS-Konzerns ihre Mitarbeiter in der Fertigung, um den hohen Auftragsbestand an Flugzeugen zu produzieren und auszuliefern.

Mit „Power8“ sollen die Kosten binnen 4 Jahren um mindestens 2 Mrd. Euro gedrückt werden. Neben Stellenstreichungen soll dies unter anderem durch einen günstigeren Einkauf von Zulieferteilen erreicht werden. Hintergrund des Sparprogramms sind die A380-Verspätungen und der schwache Dollar. Beides zusammen dürfte Airbus bis Ende des Jahrzehnts mit knapp 5 Mrd. Euro belasten.

Streiff, der erst vor drei Monaten zu EADS kam und am Montag von seinem Posten zurückgetreten ist, wollte die Probleme mit einem Sanierungskurs lösen, der über „Power8“ noch hinausging. Er hatte gefordert, die Fertigung des Riesenairbus A380 auf den Standort Toulouse zu konzentrieren und die kleinere A320-Familie komplett an den Standort Hamburg zu verlagern. Dies würde den teuren Transport von Teilen zwischen den einzelnen Werken überflüssig machen. Politiker und Gewerkschafter liefen und laufen jedoch Sturm gegen diese Neuaufteilung, weil sie den Verlust von Arbeitsplätzen und nationale Machteinbußen im Konzern fürchten. Die EADS-Führung hat das Thema erst einmal vertagt: Eine Machbarkeitsstudie soll die Vorteile einer solchen Lösung prüfen.

Weitere Baustelle bei Airbus ist das geplante Langstreckenflugzeuges A350, das nach Kundeneinwänden komplett überarbeitet werden soll. Die Entscheidung über das Milliardenprojekt steht dem Konzern in den kommenden Wochen bevor. Auch hier liegt Gallois mit Vorgänger Streiff auf einer Linie. Der neue Airbus-Chef plädierte im Radiointerview für den Bau.

Die komplexe, zwischen Deutschland und Frankreich austarierte Managementstruktur bezeichnete Gallois als „ein wenig barock“. Entscheidungen über die künftige Struktur sollten aber erst in einigen Monaten getroffen werden.

Zerwürfnis mit deutschem EADS-Co-Chef

Ex-Airbus-Chef Streiff hatte im Juli den Deutschen Gustav Humbert abgelöst, der für die Verspätungen in der Produktion des Riesenairbus A380 verantwortlich gemacht wurde. Mit viel Elan machte sich Streiff, der zuvor beim Baustoffkonzern Saint-Gobain gearbeitet hatte, ans Werk. Der Franzose wollte die Totalsanierung des angeschlagenen Flugzeugherstellers durchsetzen. Mit seinem kompromisslosen Vorgehen stieß er mit der EADS-Führung aneinander. Vor allem dem deutschen EADS-Co-Chef Tom Enders gingen die Pläne offenbar zu weit. Mit der neuen Managementstruktur ist Enders allerdings ebenfalls nicht mehr für Airbus zuständig, sondern für die übrigen EADS-Bereiche Verteidigung, Raumfahrt und Hubschrauber.

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