Gasförderung in Sibirien
Kampf um die besten Plätze

Gazprom hat am Dienstag im Beisein die Förderung in Juschno Russkoje gestartet. Die BASF ist an dem lukrativen Feld des russischen Energiegiganten maßgeblich beteiligt – als erstes deutsches Unternehmen. Auch Eon könnte noch zum Zuge kommen.

DÜSSELDORF/MOSKAU. Eon-Chef Wulf Bernotat wird am Dienstag neidisch nach Moskau geblickt haben. Feierlich haben der deutsche Konkurrent BASF und der russische Branchenriese Gazprom die Förderung im lukrativen Feld Juschno Russkoje aufgenommen. In der Zentrale des weltgrößten Gaskonzerns setzten Gazprom-Chef Alexej Miller und BASF-Vize Eggert Voscherau gemeinsam per Knopfdruck ein Dutzend Bohrköpfe in Gang – per Live-Schaltung sind die Arbeiten in Westsibirien zu sehen. Flankiert wurden die zwei Manager von Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Dmitrij Medwedjew, Gazprom-Aufsichtsratschef, Vize-Premier und aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Wladimir Putin als Staatspräsident. Nicht geschafft hat es dagegen Bernotat. Eon verhandelt schon seit Jahren über eine Beteiligung an dem Gasfeld, meldete am Montag auch entscheidende Fortschritte – endgültig unter Dach und Fach ist der Einstieg aber noch nicht.

Juschno Russkoje ist nicht irgendein russisches Gasfeld, es hat hohe Symbolkraft. Zum ersten Mal werden deutsche Unternehmen substanziell an der Gasförderung in Sibirien beteiligt. Das zähe Ringen der beiden Konkurrenten Eon und BASF um das Projekt steht aber auch beispielhaft für das Machtpoker, das Gazprom mit seinen westlichen Partnern betreibt. Anderseits können aber auch die Russen nicht ohne westliches Geld und Know-how die Produktion am Laufen halten.

Juschno Russkoje ist mit förderbaren Reserven von 600 Mrd. Kubikmetern zwar keines der ganz großen sibirischen Felder. Die jährliche Förderung von 25 Mrd. Kubikmetern, die 2009 erreicht werden soll, würde aber reichen, um 60 Prozent der russischen Exporte nach Deutschland abzudecken. Zudem gilt die Lagerstätte als lukrativ, weil sie vergleichsweise leicht zugänglich ist. Sie liegt lediglich einen Kilometer tief.

Als „Perle“ bezeichnete Eon-Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann das Feld. Das war freilich schon im Sommer 2004. Damals war Eon noch exklusiver Partner und hoffnungsfroh, dass dem gerade geschlossenen Memorandum of Unterstanding bald ein konkreter Vertrag folgen würde.

Doch im Frühjahr 2005 schloss Gazprom überraschend eine breit angelegte Kooperation mit BASF. Kernpunkt der Vereinbarung, die öffentlichkeitswirksam auf der Hannover-Messe verkündet wurde: Juschno Russkoje. BASF ist bevorzugter Partner, Eon kann höchstens die Rolle des Juniorpartners übernehmen.

Inzwischen hält Wintershall, die Öl- und Gastochter der BASF, knapp 25 Prozent an der zuständigen Fördergesellschaft Severneftegazprom. Zusätzlich erhielt das Unternehmen eine privilegierte Aktie ohne Stimmrecht, wodurch es am wirtschaftlichen Erfolg sogar mit 35 Prozent beteiligt ist. Im Gegenzug durfte Gazprom die Beteiligung am Joint-Venture Wingas, das russisches Gas in Westeuropa vertreibt, von 35 auf knapp 50 Prozent aufstocken.

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