Gashandel
Flüssiggas erweitert Europas Spielräume

Die Zukunft von Erdgas hat eine andere Materie: In verflüssigter Form soll der Brennstoff zum Öl des 21. Jahrhunderts werden. Erdgas, bislang an den aufwendigen Transport per Pipeline gebunden, soll im großen Stil weltweit mit Tankern verschickt werden.

AMSTERDAM. Der Gashandel sprengt seine Fesseln, Gas wird wie Öl zum global gehandelten Gut.

Liquified Natural Gas (LNG) gilt in der Energiebranche als das Zukunftsprodukt. Die Hypo-Vereinsbank beziffert in einer Studie das weltweite Handelsvolumen mit 200 Mrd. Kubikmetern – zehn Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Anfang 2004 waren rund 150 LNG-Tanker unterwegs, zwei Jahre später bereits knapp 200. Und der Trend soll anhalten: Bis 2015 rechnen Analysten mit einer Verdreifachung des Verbrauchs.

LNG wird in den Förderländern – Staaten wie Katar, Ägypten, Nigeria oder Trinidad, die über große Reserven, aber einen kleinen Absatzmarkt verfügen – in Verflüssigungsanlagen auf Temperaturen von minus 160 Grad Celsius gekühlt. In flüssiger Form kann es dann mit Spezialtankern über weite Strecken transportiert werden. Im Importland wird es in Anlandeterminals wieder aufbereitet und in das bestehende Pipelinenetz eingespeist. Bislang wird LNG vor allem in Staaten genutzt, die schlecht über Pipelines angebunden sind – größter Abnehmer ist derzeit Japan. Aber auch Europa deckt bereits zehn Prozent seines Bedarfs mit LNG. Bis 2020 werde sich der Anteil vermutlich verdoppeln, sagte Eon-Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann gestern in Amsterdam. Für die Europäer ist es eine Option, unabhängiger von den Gasquellen der Nordsee oder Russlands zu werden, indem sie sich neue Bezugsquellen in Afrika, Nahost oder Südamerika erschließen.

Produktion, Transport und Aufbereitung sind zwar recht teuer. Die Kosten sind in den vergangenen Jahren aber dramatisch gesunken. Kostete die Produktion einer Tonne LNG in den 80er-Jahren noch über 400 Dollar, liegen sie inzwischen deutlich unter 200 Dollar. „Die Kosten werden auf allen Stufen der Produktion weiter sinken“, prognostiziert die Internationale Energieagentur (IEA).

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