Gasmarkt
Ruhrgas verärgert Konkurrenz

Die Affäre um Reisen von Kommunalpolitikern auf Kosten der größten deutschen Gasgesellschaft, Eon Ruhrgas, stößt bei der Konkurrenz auf scharfe Kritik. Durch sie werde der Kampf des Kartellamts um eine Öffnung des deutschen Gasmarktes deutlich erschwert.

DÜSSELDORF. „Natürlich ist das problematisch für neue Wettbewerber wie uns, wenn Leute, die bei den Stadtwerken Einfluss ausüben, vom Marktführer zu Reisen eingeladen werden“, sagt Jörg Bauth, Vorstandschef des Potsdamer Gashändlers Natgas im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die enge Verflechtung von Stadtwerken mit Eon Ruhrgas mache es neuen Anbietern schwer, Fuß zu fassen, ergänzt Paul van Son, Geschäftsführer der deutschen Tochter des niederländischen Versorgers Essent.

Eon Ruhrgas ist ins Visier der Staatsanwaltschaft Köln geraten, weil das Unternehmen Lokalpolitiker zu Auslandsreisen eingeladen hat. Die Reisen sollen – so der Vorwurf – nicht fachlich begründet, sondern überwiegend touristisch gewesen sein. Die Strafverfolger ermitteln deshalb gegen mehrere Manager wegen des Verdachts der Vorteilsgewährung sowie gegen rund 160 Aufsichtsräte von 30 Stadtwerken wegen vermuteter Vorteilsannahme. Am Wochenende bestätigte die Staatsanwaltschaft, dass sie auch gegen den Eon-Konkurrenten RWE ermittelt.

Eon Ruhrgas weist die Vorwürfe zwar zurück und will bis auf weiteres keine Reisen für Politiker anbieten. Die Affäre wirft aber neue Fragen über die enge Verflechtung des Marktführers, der 55 Prozent des deutschen Gashandels kontrolliert, mit seinen wichtigsten Kunden, den Stadtwerken, auf. Neue Wettbewerber wie Natgas oder Essent klagen seit Jahren über mangelnde Chancen, auf dem deutschen Markt Kunden zu gewinnen.

Das enge Beziehungsgeflecht zwischen Eon Ruhrgas und den Stadtwerken kommt für den Präsidenten des Bundeskartellamtes, Ulf Böge, einer Marktabschottung gleich. Erst in der vergangenen Woche hat er eine Verfügung gegen Eon Ruhrgas erlassen, die es dem Unternehmen untersagt, weiter Stadtwerke – wie bisher üblich – langfristig und weitgehend exklusiv in Lieferverträgen zu binden. Die Initiative kann aber nur erfolgreich sein, wenn der Konzern die Stadtwerke nicht auf andere Weise an sich bindet.

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