Gasmarktöffnung: „Mit Wettbewerb hat das nicht viel zu tun“

Gasmarktöffnung
„Mit Wettbewerb hat das nicht viel zu tun“

Experten bewerten die als Meilenstein angekündigte Öffnung des Gasmarktes in Deutschland skeptisch. Der Vorstoß des Bundeskartellamtes, ab April die Bindung der Verbraucher an den lokalen Versorger zu lösen, sei nicht unbedingt ein Vorteil für die Kunden.

HB BERLIN. „Mit Wettbewerb hat das nicht viel zu tun“, sagte der Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Holger Krawinkel, am Dienstag in Berlin. Vom 1. April an können private Endkunden von zunächst sieben Energieunternehmen einen Versorgungsvertrag mit einem neuen Gasversorger abschließen, der das Gas wiederum vom etablierten örtlichen Netzbetreiber kauft.

Krawinkel sagte, dieses „Beistellungsverfahren“ sei für den Endverbraucher „nicht attraktiv“. Er sprach von „einer merkwürdigen Entscheidung des Kartellamtes“, zumal im Gegenzug die Missbrauchsverfahren gegen die sieben betroffenen Unternehmen eingestellt worden sei. Vom 1. Oktober an soll dann eine „diskriminierungsfreie Durchleitung“ von Gas alternativer Anbieter möglich sein.

Aber auch dann gebe es für Wettbewerber noch „einige Hürden“, erläuterte Krawinkel. So müssten sie bei der Bundesnetzagentur mehrere „Netzzonen“ buchen, um zum Endverbraucher zu gelangen. Letztlich werde auf dem Gasmarkt „nicht viel passieren“, warnte der Verbraucherschützer.

Der Bund der Energieverbraucher bewertet die Neuregelung auf dem deutschen Gasmarkt zwar als Etappensieg, bleibt jedoch skeptisch. „Die Öffnung finden wir natürlich gut, aber sie ist eine Zangengeburt“, sagte der Vorsitzende Aribert Peters am Dienstag in Rheinbreitbach (Rheinland-Pfalz). „Man kann die Öffnung noch nicht richtig bewerten, weil noch nicht klar ist, zu welchen Bedingungen freie Anbieter künftig agieren können. Davon hängt ab, ob private Verbraucher überhaupt eine Wahlmöglichkeit haben werden“, erklärte Peters.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) beurteilt die Chancen für eine Öffnung des deutschen Gasmarktes derzeit „sehr skeptisch“. Die Möglichkeit für Endkunden, vom 1. April an den Versorger zu wechseln, „bringt noch nicht allzu viel Wettbewerb“, sagte die DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert. Zum einen gebe es immer noch lange Lieferverträge zwischen den Anbieter- und den Verteilerunternehmen. Dazu sei beim Kartellamt ein Verfahren anhängig, aber noch nicht entschieden. Zum zweiten sei der Gaspreis noch immer an den Ölpreis gekoppelt. Solange diese beiden Voraussetzungen gegeben seien, „wird man kein großes Preisgefälle haben. Die Kunden werden aber nur wechseln, wenn sich die Preise unterscheiden“, sagte Kemfert.

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