Gaspipeline
Gasförderer streiten um Zukunft von Nabucco

Der Energiekonzern BP hat das Projekt Nabucco für tot erklärt und damit seine Partner im Pipeline-Konsortium verärgert. Manche halten die Ursprungspläne für Nabucco nach wie vor für realisierbar. Nötig wäre mehr Gas.
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Wien/LondonÜber die Zukunftschancen für die Gaspipeline Nabucco ist ein Streit entbrannt. Während die Energiefirma BP das von der EU unterstützte Prestigeprojekt für tot erklärt hat, ist es für den Konsortialpartner - die aserbaidschanische Gasgesellschaft Socar - weiterhin eine Option. BP und Socar sind Teil eines Konsortiums, das im kaspischen Raum Gas fördert und über den Transport nach Europa entscheidet. Dafür bewerben sich mehrere Pipelines.

„Für uns bleibt Nabucco weiterhin eine Option“, sagte Socar-Vizechef Elshad Nassirov der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ (Dienstagsausgabe). BP -Manager Iain Conn hatte vergangene Woche erklärt, das Unternehmen habe das Angebot für die Langversion von Nabucco abgelehnt. Sie sollte Aserbaidschan über die Türkei und den Balkan mit Österreich verbinden und Europa so unabhängiger von russischen Erdgaslieferungen machen.

„Wir haben BP mitgeteilt, dass wir mit der Aussage nicht einverstanden sind“, sagte Nassirov. „BP hat sich entschuldigt und die Aussage als Privatmeinung qualifiziert. BP entscheidet nicht allein über die Pipeline. Sieben Partner zu einem Konsens zu bringen ist nicht einfach, schließlich geht es um 45 Milliarden Dollar Investitionen in Förderung und Transport“, sagte der Manager.

An dem Shah-Deniz-Konsortium, das ein riesiges Gasfeld im Kaspischen Meer erschließt, sind BP und die norwegische Statoil zu je 25,5 Prozent beteiligt. Socar, die russische Lukoil, die staatliche iranische Ölfirma NIOC und die französische Total halten je zehn Prozent - die übrigen neun Prozent gehören der türkischen TPAO.

Statt den Bau der Langversion von Nabucco hatte BP-Manager Conn vergangene Woche auf die Kurzversion „Nabucco West“ verwiesen. Sie soll an die Tanap-Pipeline anschließen, die das Gas aus Aserbaidschan in die Türkei bringt und über den Balkan weiter nach Österreich leitet.

Ob „Nabucco West“ das Rennen für das kürzere Teilstück macht, ist jedoch offen: Denn BP selbst treibt ein Konkurrenzprojekt unter dem Namen SEEP voran, das das Gas über den Ausbau bestehender Regionalpipelines ebenfalls von der türkischen Grenze in den Westen bringen soll. Ein BP-Sprecher sagte am Dienstag, das Shah-Deniz-Konsortium prüfe das überarbeitete Angebot für die Kurzversion von Nabucco. Socar-Manager Nassirov sagte, die Chancen für den Bau von "Nabucco-West" stünden bei 50:50.

Mehr Gas für Nabucco?

Auch Nabucco ist nicht das Projekt einer einzelnen Firma sondern eines Konsortiums: Dazu zählen die österreichische OMV, die deutsche RWE, die ungarische MOL, die türkische Botas, BEH aus Bulgarien und die rumänische Transgaz. Der süddeutsche Versorger Bayerngas prüft einen Einstieg.

Unterstützung hatten sie von der EU-Kommission erhalten, die vergangenen Woche erklärt hatte, sie gehe davon aus, dass die Langversion der Pipeline noch nicht vom Tisch sei. Auch RWE-Manager Leonhard Birnbaum hatte sich optimistisch gezeigt: „Wir sind zuversichtlich, dass Nabucco West den Zuschlag bekommt und dann denke ich, dass das ursprüngliche Nabucco-Konzept wieder diskutiert wird“, hatte er vergangenen Woche erklärt.

Nach Einschätzung von Socar-Manager Nassirov ist dafür aber die Einspeisung weiterer Gasreserven in Nabucco nötig. „Wenn die EU Zusagen für Gas aus Turkmenistan erhält, ist Nabucco noch möglich“, sagte er. Allerdings fehle bislang das Budget, um die dafür nötige Zulieferröhre durch das Kaspische Meer zu bauen. „Mit ihr wären viele Fragen gelöst gewesen. Aber die EU hat die 20 Milliarden Dollar dafür nicht aufgebracht“, sagte Nassirov dem Blatt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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