Gaspipeline-Projekt Nabucco
Chancen von RWE steigen

Der Essener Energieversorger RWE hat gute Chancen, als sechster Partner an dem internationalen Gaspipeline-Projekt Nabucco beteiligt zu werden. Nach Informationen des Handelsblatts aus Verhandlungskreisen profitiert RWE dabei vor allem von den Vorbehalten des türkischen Konsortialpartners Botas gegenüber der ursprünglich als Partner vorgesehenen Gaz de France.

ATHEN/WIEN. Durch die seit Jahren geplante Nabucco-Pipeline sollen im nächsten Jahrzehnt bis zu 30 Mrd. Kubikmeter Erdgas jährlich aus Ländern wie Iran, Irak, Ägypten und Aserbaidschan über die Türkei und den Balkan nach Westeuropa gepumpt werden. Die EU setzt sich nachdrücklich für die Verwirklichung des Vorhabens ein, denn mit der Nabucco-Pipeline würde sich Europa neue Gasquellen erschließen und unabhängiger von russischen Energielieferungen werden. Allerdings ist das Projekt mit zahlreichen Unsicherheiten behaftet. Die Gaslieferländer sind größtenteils politisch instabile Staaten. Verträge mit ihnen abzuschließen, kann internationale Kritik auslösen. Das hat der österreichische Versorger und Nabucco-Konsortialführer OMV bereits erlebt: Die Österreicher mussten sich Vorhaltungen der USA anhören, nachdem sie ein langfristiges Gas-Lieferabkommen mit Iran geschlossen hatten. Darüber hinaus verlangen jene Länder, durch die die Pipeline führen wird, an die Leitung angeschlossen zu werden. Auch setzt Russland alles daran, das Nabucco-Vorhaben zu torpedieren und bringt immer wieder eigene Konkurrenzprojekte ins Gespräch.

Dem Nabucco-Konsortium gehören neben der OMV, die bulgarische Bulgargaz, die ungarische Mol, die rumänische Transgas und die türkische Botas an. Um das Pipeline-Projekt auf eine breitere Basis zu stellen, sucht das Konsortium seit Monaten nach einem sechsten Partner, der aus einem der Abnehmerländer in Westeuropa stammen soll. Sowohl Gaz de France wie auch RWE haben Interesse signalisiert. Die Entscheidung hätte schon längst fallen sollen, ist aber wegen der zögerlichen Haltung des türkischen Partners Botas gegenüber Gaz de France noch nicht gefallen. "Damit läuft vieles auf die Deutschen zu“, heißt es aus Verhandlungskreisen. Ein Beamter des türkischen Energieministeriums bestätigte, dass man mit RWE in Verhandlungen sei. "Wir können sagen, dass RWE vor Gaz de France liegt“, sagte der Ministerialbeamte. Beobachter vermuten einen Zusammenhang mit dem Streit zwischen der Türkei und Frankreich um einen 2006 von der Nationalversammlung in Paris verabschiedeten Beschluss, das Leugnen eines Völkermordes an den Armeniern im Ersten Weltkrieg unter Strafe zu stellen. Die Türkei stornierte daraufhin bereits Rüstungsaufträge in Frankreich.

Die Entscheidung über den sechsten Konsortialpartner verzögert sich aber auch, weil das Staatsunternehmen Botas derzeit nicht voll handlungsfähig ist: Der Konzern steht seit Sommer im Mittelpunkt von Korruptionsermittlungen, in deren Verlauf bereits mehrere führende Manager verhaftet wurden. Mehrere Vorstandsposten bei Botas sind nur kommissarisch besetzt. Bei RWE will derzeit niemand offiziell die Verhandlungssituation kommentieren. "Es ist Sache der Konsortialpartner zu entscheiden, wer mitmacht“, sagte ein RWE -Sprecher nur. Er bestätigte aber das ungebrochene Interesse des Konzerns an einer Teilnahme. "Nabucco ist aus unserer Sicht ein wichtiges Vorhaben, um die Versorgungssicherheit Europas zu gewährleisten.“

Diesem Ziel dient auch ein weiteres Pipeline-Projekt: Die Ministerpräsidenten Griechenlands und der Türkei, Kostas Karamanlis und Tayyip Erdogan, eröffneten gestern eine 285 Kilometer lange Rohrleitung, die vom türkischen Bursa zum griechischen Komotini führt. Die neue Verbindung ist Teil des südeuropäischen Gasrings, der bis 2012 über Griechenland durch die Adria bis nach Italien verlängert wird und erstmals Erdgas aus der Region am Kaspischen Meer unter Umgehung Russlands nach Westeuropa bringen soll. Offen ist aber, welche Lieferanten ihr Gas in diese Pipeline einspeisen werden. Lieferverträge wie bei Nabucco gibt es bisher noch nicht.

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