Gasproduzenten
Nabucco-Konsortium will schnelle Lieferzusage

Mit der Nabucco-Gaspipeline hofft die EU, unabhängiger von russischen Lieferungen zu werden. Allerdings steht der Zuschlag aus Aserbaidschan noch aus. Nun fordern die beteiligten Länder eine schnelle Entscheidung.
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WienDie Betreiber der geplanten Nabucco-Pipeline drängen auf eine Lieferzusage von Gasproduzenten in Aserbaidschan. Das Konsortium, das das Gasfeld Shah Deniz II in dem zentralasiatischen Land entwickelt, solle sich bereits bis März 2013 für oder gegen die Pipeline entscheiden. Das forderten die sechs involvierten Länder am Montag in Wien. EU-Energiekommissar Günther Oettinger räumte Nabucco trotzdem gute Chancen für einen Zuschlag ein.

„Es hat geheißen, dass das Projekt halbtot oder mausetot ist. Aber es ist noch immer am Leben“, sagte Oettinger. Wichtig sei, dass zwei europäische Bewerber im Finale um den Zuschlag stünden. Im Rennen ist neben Nabucco noch das Projekt Trans-Adriatische-Pipeline (TAP), das von der Türkei über Griechenland durch das Mittelmeer nach Italien führt. Nabucco soll von der türkisch-bulgarischen Grenze über Wien nach Europa liefern und so die Abhängigkeit von russischen Gas verringern.

Das Shah Deniz-Konsortium unter der Führung von BP will sich bis Mitte nächsten Jahres für eines der beiden Projekte entscheiden. Schon jetzt verhandeln die Gasproduzenten jedoch über Investitionen in die zwei Pipelines. Dabei hat TAP die Nase vorn: Im Sommer sicherte sich das Konsortium eine Option auf bis zu 50 Prozent der TAP-Anteile.

Doch Nabucco führt jetzt ähnliche Verhandlungen. „Wir sind sehr nahe an einem Übereinkommen“, sagte Nabucco-Geschäftsführer Reinhard Mitschek. Die Gespräche sollen bis Ende Oktober abgeschlossen sein.

Neben der deutschen Beteiligung sind am Projekt fünf weitere Gesellschaften aus der Türkei, Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Österreich beteiligt. Das ungarische Energieunternehmen hat seinen Anteil von 16,67 auf nun 14 Prozent gesenkt, sagte Mitschek. Bei einem Zuschlag aus Aserbaidschan rechnet das Konsortium damit, dass Ungarn den Anteil wieder aufstockt.

Das Nabucco-Projekt hat mit zahlreichen Verzögerungen und steigenden Kosten zu kämpfen. Dieses Jahr wurde das geplante türkische Teilstück aus wirtschaftlichen Gründen gestrichen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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