Gasprojekt Sachalin II
Shell beugt sich offenbar Russland

Monatelang prasselten auf Shell die Vorwürfe ein, das Unternehmen habe auf der Suche nach Öl und Gas die Umwelt auf der russischen Insel Sachalin schwer geschädigt. Regierungsvertreter drohten harte Strafen an. Nun ist Shell offenbar zurückgewichen und will die Kontrolle am so genannten Sachalin-II-Projekt an den staatlichen Gasmonopolisten Gazprom abtreten. Es geht um zig Milliarden.

HB MOSKAU. Der britisch-niederländische Konzern habe dem Staatskonzern Gazprom eine Mehrheit an der größten Auslandsinvestition des Landes angeboten, sagten Industrievertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Shell habe sich grundsätzlich mit Gazprom darauf geeinigt, seinen Anteil von 55 Prozent deutlich zu verringern, wolle aber mindestens ein Viertel an Sachalin II behalten. Das gesamte Projekt hat ein Volumen von 17 Mrd. Euro.

Die Moskauer Regierung hat Shell seit Monaten massiv mit Umweltschutz-Vorwürfen unter Druck gesetzt und wiederholt mit dem Entzug von Lizenzen gedroht. So hatte der russische Minister für natürliche Ressourcen, Juri Trutnew, Shell und seinen Partnern vorgeworfen, sie hätten auf „barbarische Art und Weise“ die Umwelt in der sibirischen Inselregion geschädigt. Umweltgruppen hatten dem Konsortium unter anderem vorgeworfen, beim Bau einer Pipeline über Land Vorschriften nicht beachtet und Flüsse verschmutzt zu haben. Der Betreiber des Öl- und Gasprojektes, Sakhalin Energy, hatte Probleme eingeräumt. Diese sei man jedoch bereits selbst angegangen.

Westliche Politiker und Analysten werfen dem Kreml jedoch vor, den Umweltschutz nur als Vorwand zu nutzen, um sich einen größeren Zugriff auf das lukrative Geschäft mit Öl und Gas zu sichern. Russland hatte einer Vereinbarung aus den frühen 90er Jahren zufolge keine Anteile an dem Projekt. Sachalin II soll unter anderem Kunden in Japan, Südkorea und den USA Flüssiggas liefern.

Auch japanische Unternehmen sitzen mit im Boot

Die Firmen bestätigten am Montag, dass sich Royal-Dutch-Shell-Chef Jeroen van der Veer am Freitag in Moskau wegen Sachalin II mit Gazprom-Chef Alexej Miller und dem russischen Energieminister Viktor Christenko getroffen hat. Sie wollten jedoch keine Details zum Inhalt der Gespräche nennen. „Shell hat in der Tat am Freitag einige Vorschläge zu Sachalin II gemacht“, erklärte am Montag ein Gazprom-Sprecher. „Gazprom hat noch keine Entscheidungen zu den Vorschlägen getroffen, weil die Probleme des Projektes – einschließlich seine ökologischen Probleme – bestehen bleiben.“

Auch die anderen ausländischen Partner in dem Projekt würden nach Angaben der Industrievertreter Anteile verkaufen. Die japanischen Firmen Mitsui und Mitsubishi halten zusammen 45 Prozent an Sachalin II und würden möglicherweise jeweils 10 Prozent abgeben. Gasmonopolist Gazprom könnte so die Kontrolle über Sachalin II übernehmen. Ein Mitsubishi-Sprecher sagte lediglich, dass ein Ausstieg aus Sachalin II nicht geplant sei.

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