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Gastkommentar: Die verpasste Pubertät der Photovoltaik

Die Wechselspiele in den Vorständen der deutschen Photovoltaik-Industrie findet Peter Trück besorgniserregend. Grund für die Situation sei der fehlende Reifeprozess der Solarbranche.

Peter Trück ist Partner der Personalberatung Rochus Mummert in Frankfurt am Main. Quelle: privat
Peter Trück ist Partner der Personalberatung Rochus Mummert in Frankfurt am Main. Quelle: privat

DüsseldorfQ-Cells, Conergy oder jüngst Solar Millennium – die Wechselspiele in den Vorständen der deutschen Photovoltaik-Industrie haben mittlerweile eine Geschwindigkeit erreicht, dass man sich ganz unabhängig von den aktuellen massiven wirtschaftlichen Problemen ernsthaft Sorgen um die Branche machen muss. Dass die derzeit zu beobachtende Konsolidierungsphase im Photovoltaik-Markt mit Abwanderungen im oberen und mittleren Management einhergeht, ist dabei allein noch nicht besorgniserregend, sondern in einem gewissen Rahmen für einen noch relativ jungen Markt sogar typisch. Dass aber gleich in Serie CEOs, CFOs und CTOs ausgetauscht werden oder aus eigenem Antrieb die Unternehmen verlassen, wirft grundsätzliche Fragen auf.

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Wie konnte es zu einer solchen Situation kommen? Der wichtigste Grund ist sicherlich, dass die Solarbranche in ihrer Entwicklung keinen nachhaltigen Reifeprozess durchlaufen hat. Plakativ gesprochen könnte man von einer verpassten Pubertät sprechen. Vielmehr machten viele Firmen vom Start-up-Status direkt den Sprung hin zum Multi-Millionen-Unternehmen, ohne die entsprechenden Strukturen aufzubauen. Außerdem war man stets gezwungen, auf externe Einflussfaktoren zu reagieren, die da waren: der Siliziumpreisverfall, die politischen Kurswechsel hinsichtlich der Kappung und schließlich Beibehaltung einer Einspeisevergütung und die massive fernöstliche Konkurrenz, die in Deutschland zu einer Marktbereinigung führen wird.

Was dabei vor lauter Geschwindigkeit und Ausnahme- und Krisensituationen auf der Strecke blieb, war der Aufbau einer Managementkultur. Vor allem die immer noch starke Prägung der meisten Unternehmen durch ihre Gründer steht einer Korrektur dieses Entwicklungsdefizits häufig im Wege. Die Folge: Viel zu schnell verabschieden sich die Unternehmen nach einem schlechten Quartalsergebnis von ihren Spitzenkräften oder diese verlassen nach dem Motto „Rette sich wer kann!“ gleich selbst das vermeintlich sinkende Schiff. So kam es etwa bei Conergy in rund zwei Jahren zu nicht weniger als sechs Wechseln im Vorstand, wobei die wenigsten Manager überhaupt viel länger als ein Jahr an Bord waren. Darüber hinaus wird Ende August auf der Hauptversammlung bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres der komplette Conergy-Aufsichtsrat ausgetauscht.

Klar, nicht jede Firma wird die nun durchzustehende Marktbereinigung überleben. Dennoch wird der Photovoltaik-Markt hierzulande bestehen bleiben, wenn auch in einer neuen Aufstellung. Damit dieser Wandel erfolgreich sein kann, muss im Management der noch immer jungen Photovoltaik-Unternehmen aber endlich Beständigkeit einziehen, und zwar sowohl in den Vorständen als auch in den Aufsichtsgremien. Hilfreich wäre es hierbei sicherlich, die Expertise aus reiferen Branchen einzuholen. Schließlich liefern saturierte Märkte diesbezüglich viele gute Beispiele, wie durch einen Schulterschluss von Vorstand und Aufsichtsrat schwierige Zeiten gemeinsam und nachhaltig gemeistert wurden.

Trotz der momentan fast täglichen Schreckensmeldungen aus der Branche darf nicht vergessen werden, dass sich der Solarmarkt hinsichtlich der Entwicklungsgeschwindigkeit noch immer auf der Überholspur befindet. Um hier nicht ins Schleudern zu geraten, sind Vorsicht und Durchhaltevermögen geboten. Die Photovoltaik-Branche hat daher mehr Beständigkeit im Management verdient!

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