Gault Millau
Wenn die Winzer die Weinkritiker kritisieren

Ein undurchsichtiges, freiwilliges Marketingpaket hat etliche Winzer gegen den bekanntesten deutschen Weinführer "Gault Millau" aufgebracht. Die Winzer wollen die Weinverkostungen durch die Kritiker notfalls sogar boykottieren. Nun hat der Verlag Korrekturen in der Bewertung angekündigt.

DÜSSELDORF. Im April geschah es im Tatort des SWR. Heute geschieht es in Wirklichkeit: Die Weinbauer widersetzen sich ihren Kritikern. Der einzige Unterschied: Es gibt keine Toten, sondern nur 14 verärgerte Winzer, einen zurückgetretenen Redakteur und einen Verlag, der mit allen Mitteln versucht, den steigenden finanziellen Belastungen entgegenzusteuern. In der Krimivorlage dauert es 90 Minuten, bis alle Unstimmigkeiten geklärt sind. In der Realität ist noch kein Ende absehbar.

Der Streit zwischen dem bekanntesten deutschen Weinführer „Gault Millau“ und einer Gruppe Spitzenwinzer verwandelt sich immer mehr in eine Grundsatzdebatte. Wo es zunächst um den freiwilligen Erwerb eines Marketingpakets ging, stehen plötzlich Weinbewertung und Weinverkostung im Mittelpunkt der Diskussionen. Winzer, die das Paket erwerben, dürfen mit dem Logo des „Gault Millau“ und dem Bewertungstext werben. Dafür müssen sie 195 Euro zahlen. Der Streit war entflammt, weil die Winzer glaubten, dass die freiwillige Teilnahme ein ungleiches Bewertungssystem begünstigen könnte.

Am Samstag trafen sich die 14 Boykottwinzer und die Vertreter des „Gault Millau“ zu gemeinsamen Gesprächen. Doch bisher konnte keine Alternative zum freiwilligen Erwerb eines Marketingpakets gefunden werden. „Es waren konstruktive Gespräche, aber es gibt noch keine Einigung. Die Positionen wurden erläutert und Missverständnisse aus dem Weg geräumt“, sagt Reinhard Löwenstein, der Sprecher der Winzer.

Er betont weiterhin, dass sich der Boykottaufruf der 14 Winzer gegen das Modell der freiwilligen Bezahlung richte. In den anderen Angelegenheiten könnte er nicht für alle Winzer sprechen, da es zu viele unterschiedliche Meinungen gäbe. Die Weinverkostung und die Bewertung seien nur ein Nebenprodukt des erstmaligen Zusammentreffens. „Wenn man schon einmal zusammen sitzt, dann kommen auch durchaus allgemeine Kritikpunkte zur Sprache“, erklärt Löwenstein.

Trotzdem hat der Christian Verlag, der seit 17 Jahren den „Gault Millau“ publiziert, zahlreiche Zugeständnisse sowohl bei der Finanzierung als auch der Bewertung gemacht. Für die nächste Ausgabe im Herbst dieses Jahres bleibt alles wie gehabt. Etwa die Hälfte der deutschen Winzer hat die 195 Euro schon bezahlt.

Doch für die Ausgabe im kommenden Jahr soll es ein neues Finanzierungsangebot geben. Die Weinverkostung wird zukünftig nicht mehr auf den Weingütern und im Beisein der Winzer stattfinden. Außerdem soll das Schulnotensystem zur Bewertung in Abstimmung mit dem französischen Markeninhaber überdacht werden.

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