Gaz
Opels rostiger Retter aus Russland

Vor mehr als einem Monat war die Welt noch in Ordnung: Der russische Autobauer Gaz und der kanadische Zulieferer Magna schienen den Bieterkampf um Opel gewonnen zu haben. Doch noch sind jede Menge Fragen offen: Kann der Magna-Partner Gaz die Rettung für Opel sein? Oder soll der angeschlagene deutsche Autobauer einen siechenden russischen Patienten heilen?

NISCHNI NOWGOROD. Würde alles hier in Nischni Nowgorod, 400 Kilometer östlich von Moskau, funktionieren wie Leonid Dolgow, dann könnten 35 000 Menschen in Rüsselsheim, Eisenach und Bochum nachts vielleicht ruhiger schlafen. Dolgow, 34 Jahre alt, blonde Haare, schwungvoller Seitenscheitel und eisblaue Augen, spricht mehrere Sprachen und hat schon eine steile Karriere in Russlands harter Aluminiumindustrie gemacht. Jetzt arbeitet er als Werksdirektor bei einem Autohersteller und sitzt auch im Vorstand des Unternehmens. Er empfängt im grauen Werkskittel, in einem schlichten Büro.

Leicht perlen ihm Begriffe wie „quality management“, „customer satisfaction audit“ über die Lippen. Er kann ausführlich über „insourcing“ berichten, darüber, wie sie hier im Unternehmen erfolgreich gegen die Krise kämpfen und die Automatisierung der neuen Produktionslinie auf ein extrem wettbewerbsfähiges Niveau angehoben haben. Kann erzählen, wie Wladimir Putin vor ein paar Monaten in seinem Werk war, als ein neues Modell vorgestellt wurde. Der Ministerpräsident habe eine Probefahrt gemacht und sei begeistert gewesen – einfach einen Schlüssel geschnappt und sei losgefahren. In Dolgows Büro hängen Fotos von dem Besuch.

Leonid Dolgow ist ein Vorzeigevertreter seines Arbeitgebers, des drittgrößten russischen Autoherstellers Gaz, kurz für Gorki Automobilwerk, Hauptsitz in Nischni Nowgorod. Von dem Unternehmen soll die Zukunft von Opel abhängen. Gaz und der kanadische Zulieferer Magna schienen den Bieterkampf um die deutsche General-Motors-Tochter gewonnen zu haben.

Die Bundesregierung feierte das vor mehr als einem Monat als Rettung. Das ist inzwischen nicht mehr so eindeutig. Die Lobbyisten spinnen ihre Fäden, Manager und Politiker pokern.

Am Wochenende versuchte der Europa-Chef von General Motors, Carl-Peter Forster, Zweifel auszuräumen. Er rechne mit einem baldigen Verkauf von Opel an den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna und seine Partner.

Grundsätzliche Fragen bleiben aber weiterhin offen: Kann der Magna-Partner Gaz die Rettung für Opel sein? Oder soll der angeschlagene deutsche Autobauer einen siechen russischen Patienten heilen?

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