Gazprom: Alexej Miller ist Russlands Energie-Zar

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Alexej Miller ist Russlands Energie-Zar

Mit gerade 39 Jahren übernahm Miller 2001 das Ruder des russischen Energie-Riesen. Er holte den Staat ins Boot, kaufte Gasvorräte zurück und möchte nun den Westen erorbern. Doch sein Schicksal hängt von Präsident Wladimir Putin ab.

mbr MOSKAU. Mit dem leuchtenden Riesen-Globus demonstriert Alexej Miller den Weltmachtanspruch seines Unternehmens – die überdimensionale Weltkugel dominiert sein Besprechungszimmer in dem blau-grauen Stahl- und Glas-Tower im Süden Moskaus. Sein Sprecher Sergej Kuprianow beweist mit dem bei ihm hängenden Bier-Werbeplakat „It’s Miller Time“, dass die 330 000 Gasowiki – Russlands eisige Jungs an den Bohrlöchern Sibiriens und den 153 000 Kilometer Pipelines – hinter dem Boss stehen.

Das war nicht immer so: Als Alexej Borisowitsch Miller im Mai 2001 mit gerade 39 Jahren den ebenso lang gedienten wie in der Gaswirtschaft erfahrenen Firmenchef Rem Wjachirew ablöste, hielt man ihm vor, er sei kein Mann des Fachs. Schließlich hatte sich Miller bis dahin vor allem als besserer Bürobote bei Wladimir Putin in dessen Zeit als Vize-Bürgermeister in St. Petersburg hervorgetan, leitete einen kleinen Pipelineverbund und wurde stellvertretender Energieminister in Moskau. Frühere Mitstreiter charakterisierten Miller als „Erfüllungsgehilfen mit mangelnder Eigeninitiative“.

Aber der Manager mit dem roten, aufgedunsenen Gesicht hat heute kaum noch etwas gemein mit dem blass und scheu wirkenden Politiker von damals. Miller zeigte Muskeln: Er holte zurück, was seine Vorgänger in private Hände entgleiten ließen – zehn Prozent der Gazprom-Gasvorräte hatten sie über dubiose Tochterfirmen ausgegliedert. Und Miller machte den Staat zum Mehrheitsaktionär und gab im Gegenzug für Ausländer den Handel mit den restlichen Anteilen frei. Bei seinem Einstieg war Gazprom an der Börse 9,8 Mrd. Dollar wert. Jetzt, 56 Monate später, liegt der Marktwert bei 250 Mrd. Dollar, ein Zuwachs von 4,3 Mrd. Dollar – pro Monat.

Allerdings sind Miller auch Fehlschläge nicht fremd: Die Übernahme des staatlichen Ölkonzerns Rosneft scheiterte, und den durch den Gasstreit mit der Ukraine und Weißrussland entstandenen Imageschaden im Westen muss er verantworten.

Immerhin bemüht sich Miller auch, Transparenz zu demonstrieren: Inzwischen gibt es einen regelmäßig tagenden Aufsichtsrat und eine Investor-Relations-Abteilung. Doch zwei Aufsichtsräte klagten im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Wichtige Entscheidungen werden an dem Gremium vorbei gefällt.“ Die Soziologin Olga Kryschtanowskaja, die die Machteliten ihrer Heimat erforscht, sagt, wo: „Im Kreml oder auf Putins Datscha im Kreise engster Vertrauter“.

Von Putin hängt Millers Schicksal ab. Sein Vertrag läuft zwar noch bis 2011. Aber dem Kreml-Herrn wird nachgesagt, dass er nach Ende seiner Präsidentschaft 2008 von der Staatsspitze an die Spitze des „Staates im Staat“ wechseln will. „Staat im Staat“ steht in Moskau für: Gazprom.

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