8 Bewertungen ****
24.11.2008 
Handelsblatt-Interview mit Alexej Miller

Gazprom-Chef verspricht warme Weihnachten

Trotz des neuen Gasstreits mit der Ukraine garantiert der russische Gaskonzern Gazprom, dass Europa nicht mit Lieferausfällen rechnen muss. "Solche Ängste sind unnötig, das will ich ausdrücklich betonen", sagte der Gazprom-Chef Alexej Miller im Handelsblatt-Interview.

Gazprom-Gebäude in Moskau. Foto: dpaLupe

Gazprom-Gebäude in Moskau. Foto: dpa

BERLIN. "Unabhängig vom Ergebnis der Gasverhandlungen mit der Ukraine garantiert Gazprom den europäischen Kunden eine zuverlässige Gasversorgung. Allen Lieferverpflichtungen werden wir nachkommen." Auch die Ukraine, durch die eine der Versorgungsrouten für Westeuropa führt, habe Gazprom mehrmals versichert, dass es alle Transitverpflichtungen einhalten wolle - unabhängig vom Ergebnis der Verhandlungen über die Belieferung ukrainischer Kunden.

Miller bestätigte allerdings, dass es wie in den Vorjahren ernste Probleme mit der Ukraine gebe. "Der Grund besteht darin, dass die Ukraine ihre riesigen Außenschulden zu Beginn der kalten Jahreszeit nicht beglichen und auch keine Angebote für eine spätere Bezahlung eingereicht hat", kritisierte Miller. Die ukrainischen Außenstände beliefen sich zurzeit auf etwa 2,4 Milliarden Dollar.

Zugleich wies Miller scharf den Vorwurf zurück, Gas werde von Russland als "politische Waffe" eingesetzt. Mit der Ukraine habe sein Unternehmen das ganze Jahr über Verhandlungen geführt. "Dabei hat Gazprom nicht nur zugesagt, die Ukraine mit 7,5 Mrd. Kubikmetern Erdgas im Jahr zu beliefern." Zudem habe der Konzern die angekündigte Anhebung der Preise auf internationales Marktniveau auf 2011 verschoben. Am 2. Oktober sei eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet worden. Doch die unterschriftsreifen Verträge zwischen Gazprom und der Naftohas Ukrainy könnten nicht unterzeichnet werden, weil sich die Ukraine weigere, die Schulden zu begleichen.

Es gebe im Westen die Tendenz, die Produzentenländer, "besonders die Gasförderer, zu dämonisieren", kritisierte Miller. Dabei habe Gazprom in den vergangenen Jahrzehnten seine Lieferverpflichtungen immer eingehalten.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel

Anzeige

Vorhersage Deutschland

weiterKöpfe

Sengera: WestLB-Prozess kurz vor Neuauflage  Artikel in Merkliste

Jetzt muss er doch noch um seine Freiheit zittern: Am 13. August entscheidet der Bundesgerichtshof, ob Ex-West-LB-Vorstand Jürgen Sengera wegen riskanter Kredite an den Fernsehverleiher Boxclever doch noch hinter Gitter muss. Der alte Vorwurf: Er soll einen millionenschweren Kredit falsch vergeben haben. Artikel


Handelsblatt Marktplatz

Die Suchmaschine mit über 200.000 Angeboten der besten Jobbörsen und Zeitungen. Weiter