Gazprom erschließt Gasfeld allein
Eon hofft auf Stockmann-Gas

Die Entscheidung des russischen Gazprom-Konzerns, Gas aus dem Stockmann-Feld in der Barentssee nach Europa statt in die USA zu leiten, wird vom deutschen Branchenführer Eon Ruhrgas ausdrücklich begrüßt. Die Erschließung eines der größten Gasfelder der Erde will Russland aber ohne ausländische Beteiligung durchführen – zum Leidwesen einiger Unternehmen.

hst / juf / mbr DRESDEN / STOCKHOLM. „In Sachen Versorgungssicherheit wird Russland immer gefragt, wie es den ins Unermessliche steigenden Eigenbedarf von Erdgas in Russland und die wachsenden Export-Aufträge decken könne. So ist die Entscheidung in Sachen Stockmann für Europa eine gute Entscheidung“, sagte Burckhard Bergmann, Chef von Eon Ruhrgas und Aufsichtsratsmitglied von Gazprom, auf einer deutsch-russischen Wirtschaftstagung in Dresden.

Der russische Energieriese hatte am Montag angekündigt, das Stockmann-Gas nicht wie ursprünglich geplant zu verflüssigen und in die USA zu transportieren, sondern vor allem über die gemeinsam mit Eon und BASF geplante Ostseepipeline nach Westeuropa zu leiten. Das Gasfeld ist eines der größten Gasfelder der Erde. Für das Umdenken wird der Konflikt mit den USA über den Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation WTO geltend gemacht. In Kreisen der amerikanischen Regierung stieß der Schritt deshalb gestern auch auf Kritik.

„Stockmann ist ein so einmaliges Vorkommen mit Vorkommen von 3,7 bis 4 Bill. Kubikmetern Erdgas, dass Gazprom nach langer Prüfung entschieden hat, es allein auszubeuten. Aber es ist möglich, dass ausländische Firmen als Auftragsnehmer beschäftigt werden“, sagte Russlands Präsident Wladimir Putin auf einer Pressekonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel gestern in Dresden.

Gazprom hatte mit seiner Ankündigung auch eine Reihe von westlichen Unternehmen brüskiert. Der Konzern hatte mit Statoil und Hydro aus Norwegen, der französischen Total und den US-Unternehmen Chevron und Conoco-Phillips über eine Minderheitsbeteiligung verhandelt. Jetzt erklärte Vorstandschef Alexej Miller aber überraschend, dass Gazprom das Feld alleine entwickeln wolle. Branchenexperten sehen darin einen weiteren Versuch Russlands, westliche Konzerne von den eigenen Reserven fern zu halten. Derzeit müssen etwa BP und Shell um bereits vor Jahren vereinbarte Förderlizenzen bangen.

Die betroffenen Konzerne reagierten aber noch zurück haltend. Total erklärte, es sei noch zu früh, um die Vorgänge zu bewerten. Eine Statoil-Sprecherin räumte zwar ein, dass man die Ankündigung „nicht erwartet“ habe. Doch wie Konkurrent Hydro zeigte sich der Konzern optimistisch, zumindest als technischer Partner noch zum Zuge zu kommen. Beide Unternehmen verweisen auf ihre Kompetenz bei der Förderung in arktischen Gebieten.

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