Gazprom-Öltochter wird liquidiert - Unklare Folgen
Putin baut sich einen Energiekonzern

Die Zerschlagung des mit Milliarden-Steuernachforderungen bedrängten Ölkonzerns Yukos wird immer verwirrender: Am Donnerstag soll der Aufsichtsrat des staatlich kontrollierten Energiegiganten Gazprom eine Entscheidung des Managements absegnen, der zufolge die gerade erst zur Übernahme des staatlichen Ölkonzerns Rosneft gegründete Tochter Gazpromneft liquidiert.

HB MOSKAU. Einen Tag vor der skandalumwitterten Zwangsauktion der wichtigsten Yukos-Tochter, Yuganskneftegaz (YNG), war Gazpromneft verkauft worden, weil der Konzern damit juristische Probleme in den USA vermeiden wollte.

Ein US-Gericht in Houston hatte zuvor Gazpromneft und anderen Käufern eine Teilnahme an der YNG-Auktion verboten. Russland hatte die Versteigerung trotzdem durchgeführt und YNG für umgerechnet 9,3 Mrd. Dollar an die unbekannte Baikalfinancegroup (BFG) verkauft, hinter der Gazprom und der Ölkonzern Surgutneftegaz vermutet werden. Präsident Wladimir Putin hatte hingegen gesagt, hinter den Käufern stünden "Privatpersonen aus dem Energiesektor".

Moskauer Medien berichteten deshalb am Mittwoch, Putin baue sich aus Rosneft, YNG und Gazpromneft einen neuen Energieriesen zusammen mit engsten Kreml-Vertrauten. Bei Gazprom hingegen hieß es, man halte weiter am Aufbau einer eigenen Öltochter und der Fusion mit Rosneft fest.

Putins Aussage, hinter stünden "Privatpersonen mit Erfahrung im Energiegeschäft", legen laut russischen Presseberichten die Vermutung nahe, dass hochrangige Kreml-Beamte um Putin und den Vize seiner Präsidialadministration, Igor Setschin, sowie dem angeblich Putin und Surgutneftegas eng verbundenen Unternehmer Gennadij Timtschenko einen eigenen Ölkonzern schmieden. Setschin ist bislang Aufsichtsratschef bei Rosneft und wie Putin langjähriger KGB-Spion gewesen. Timtschenko ist nach Meinung des Ölanalysten Oleg Kirsanow von der Energieagentur Argus nicht nur Teilhaber der russischen Firma Kineks, sondern auch des Händlers Gunvor, der hauptsächlich Rohöl und Ölprodukte von Rosneft, Gazprom und Surgutneftegas verkauft.

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