Gazprom offenbar interessiert
Düsseldorf würde RWE den Russen überlassen

An den Märkten wird derzeit spekuliert, dass der russische Energieriese Gazprom beim deutschen Versorger RWE einsteigen könnte. Einer, der den Russen seine Anteile andienen würde, ist der Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU). Angeblich kauft Gazprom bereits heimlich RWE-Aktien auf.

HB DÜSSELDORF. Aus seiner Sicht spreche nichts gegen einen russischen Aktionär bei RWE, sagte Erwin der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Dienstagausgabe). Ein konkretes Angebot habe er Gazprom aber noch nicht vorgelegt. „Ich denke aber darüber nach“, sagte Erwin. Er begründete seine Entscheidung damit, dass die Stadt Düsseldorf „am RWE-Anteil kein strategisches Interesse“ habe. Die überwiegenden Mehrheit der deutschen Konzerne werde ohnehin längst von ausländischen Anteilseignern kontrolliert.

Erwin könnte die 5,2 Mill. RWE-Aktien – knapp 1 Prozent der Anteile – dem Blatt zufolge direkt an Gazprom verkaufen. Düsseldorf ist nicht wie andere Kommunen verpflichtet, seine Anteile den übrigen Städten und Kommunen erst einmal anzudienen. Für seinen Anteil könnte Erwin nach derzeitigem Aktienkurs knapp 400 Mill. EUR kassieren. Die Stadt wäre damit auf einen Schlag schuldenfrei.

Düsseldorf ist die erste Großstadt, die einen Verkauf ihrer RWE-Aktien erwägt. Zwar haben auch einige andere, wesentlich kleinere Kommunen angekündigt, ihre Anteile abzustoßen, viele Städte wie Essen oder Dortmund sehen das Investment aber als strategische Beteiligung und wollen sich nicht davon trennen. Düsseldorf hatte bereits seine Stadtwerke an den baden-württembergischen Versorger EnBW verkauft.

Mehrheitsbeteiligung gilt als ausgeschlossen

Am Wochenende waren Spekulationen aufgekomme, der russische Energiekonzern lote den Einstieg bei RWE aus. Gazprom sondiere mehrere Optionen, sich bei westeuropäischen Versorgern einzukaufen, hieß es in Kreisen des Unternehmens: „RWE steht dabei oben auf der Liste.“ Eine Mehrheitsübernahme dürfte dabei angesichts der komplexen Aktionärsstruktur von RWE aber nicht im Fokus stehen. Als eher wahrscheinlich wird in Branchenkreisen eine Minderheitsbeteiligung in Kombination mit einer strategischen Partnerschaft gesehen – etwa beim Vertrieb von Gas oder dem Bau von Kraftwerken.

Während es in den Unternehmenskreisen heißt, noch seien die Überlegungen in einem sehr frühen Stadium, wird in Finanzkreisen schon über konkrete Schritte spekuliert. Investmentbanker berichten über den Aufkauf von RWE-Aktien aus Russland. Die Käufe würden durch mehrere Quellen getätigt, um nicht die Meldeschwelle von fünf Prozent zu überschreiten, hieß es. Ob dahinter aber Gazprom oder russische Finanzanleger stehen, blieb unklar. RWE wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern, von Gazprom war eine Stellungnahme nicht zu erhalten.

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