Gazprom: Russlands Über-Konzern gerät unter Druck

Gazprom
Russlands Über-Konzern gerät unter Druck

Bislang waren Versorgungssicherheit und Zuverlässigkeit die höchsten Güter des russischen Gazprom-Konzerns, doch der russisch-georgische Krieg, der massive Niedergang des russischen Marktes und der Gasstreit mit der Ukraine haben am Image des größten Gasförderers gekratzt.

BERLIN. Noch Mitte vorigen Jahres konnte der Kreml-Konzern Gazprom seine Allmachts-Fantasien kaum zügeln: Dmitrij Medwedjew, vom Gazprom-Aufsichtsratschef gerade zum Staatspräsidenten aufgestiegen (und nicht mit Alexander Medwedjew verwandt), hatte gerade noch als Parole ausgegeben: Der blaue Riese solle mit einer Billion Dollar Marktkapitalisierung das teuerste börsennotierte Unternehmen der Welt werden. Der mit Abstand größte Gasförderer war er damals schon seit Jahren.

Doch dann kam der Krieg zwischen Russland und Georgien im Sommer. Während kurz zuvor die Luft aus der russischen Aktien- und Immobilien-Blase langsam entwich, platzte der Ballon plötzlich. Der Kurs des Gaskonzerns fiel wie ein Stein im Wasser: Von 15,50 Dollar in Jahresfrist auf zeitweise unter drei Dollar. Derzeit liegt der Marktwert des Unternehmens bei 78 Mrd. Dollar.

Mit dem Georgien-Krieg ging der massive Niedergang des russischen Markts einher, der dann im Herbst durch die sich global immer stärker ausbreitende Finanzkrise kräftig verschärft wurde.

Doch ab Neujahr kam es noch schlimmer: Gazprom drehte nach dem Scheitern der Gaspreisverhandlungen mit dem Kiewer Versorger Naftogaz Ukrainy dem Nachbarland zum zweiten Mal nach 2006 den Gashahn runter. Kurz darauf stellte Gazprom die Transitlieferungen ganz ein mit der Behauptung, die Ukraine stehle das Gas. Im Ergebnis bekamen vor allem osteuropäische Kunden wie Bulgarien, Serbien und die Slowakei tagelang kein russisches Erdgas mehr.

Auch bei Eon-Ruhrgas, langjährigem Partner und zudem Aktionär bei Gazprom, kam kein Russen-Gas mehr an. Deshalb beklagte Eon-Ruhrgas-Chef Bernhard Reutersberg nicht nur, dass der Gaskonflikt "das Image der Ukraine und von Gazprom als verlässliche Partner hat leiden lassen". Die Essener kündigten sogar an, Schadenersatzansprüche gegen Gazprom zu prüfen. Entsprechende Vertragsstrafen seien in den bilateralen Verträgen geregelt. "Wir werden nicht darauf verzichten", sagte Reutersberg. Der Manager warf den Russen vor, Gas als Druckmittel gegen die Ukraine eingesetzt zu haben.

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