Gazprom-Vize Medwedew im Interview
„Unser Kerngeschäft ist Energie“

Alexander Medwedew, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des russischen Energieriesen Gazprom, sprach mit dem Handelsblatt über seine Übernahmepläne, den Gas-Export und die Kooperationen mit europäischen Konzernen. Hier das vollständige Interview im Wortlaut:

Herr Medwedew, warum kommen sie bei den Verhandlungen mit Eon über die Erschließung des Gasfeldes Juschno-Russkoje nicht voran? Mit der BASF-Tochter Wintershall sind sie ja schon weiter. Wo hakt es bei Eon?

Wir haben gerade eine Übereinkunft mit BASF geschlossen, dort wird es bald den offiziellen Abschluss geben, so etwas dauert seine Zeit. Wir hatten nicht die Kapazitäten, gleichzeitig mit Eon auf diesem Niveau zu sprechen, zumal wir noch die Verhandlungen über Sachalin-2 mit Shell als auch Gespräche mit Eni geführt haben. Wir werden jetzt die Zeit finden, die Themen, die mit Eon noch besprochen werden müssen, anzugehen.

Medienberichten zu Folge hat Gazprom hohe Nachforderungen gestellt, die Eon gar am erfolgreichen Abschluss zweifeln lassen …

Ich war überrascht so etwas zu hören. Wir bleiben in voller Übereinstimmung mit dem, worauf wir uns grundsätzlich mit BASF auf der einen und Eon auf der anderen Seite verständigt haben. Das heißt aber nicht, dass das endgültige Resultat auch so aussehen muss. Der Markt ändert sich, die Prognosen für die Preise ändern sich und das muss natürlich mit einbezogen werden. Dazu sind aber noch keine Entscheidungen gefallen. Das ist ein normaler Weg in Verhandlungen, es geht nicht darum, einseitig Vorteile zu erzielen.

Gazprom wird ein großer Appetit auf den deutschen Kraftwerksmarkt nachgesagt. Ist der auch angesichts der Widerstände, auf die sie bei ihrer internationalen Expansion stoßen, immer noch so stark?

Wir beginnen ja gerade mit dem Projekt eines Kraftwerksneubaus in Deutschland, zusammen mit der luxemburgischen Firma Sotec, an der ja auch Eon Anteile hält. Das Geschäftsmodell funktioniert für uns, wie auch für unsere Partner, es ist einer unserer ersten Schritte auf diesem Gebiet, nicht nur in Deutschland. Es gibt eine Zukunft für solche klassische Energieerzeugung - trotz des vielen Geredes über erneuerbare Energien.

Sie werden also weiter auf dem deutschen Kraftwerksmarkt expandieren?

Das hängt ganz von den Möglichkeiten ab, die sich ergeben.

Eine Möglichkeit, in Deutschland weiter zu expandieren, ergibt sich vielleicht durch den Börsengang des RAG-Konzerns…

Gazprom konzentriert sich derzeit auf die Verhandlungen mit dem russischen Kohleproduzenten Suek, gewisse Aktivitäten zu fusionieren. Wir haben nicht einen Instinkt, alles zu kaufen, was wir sehen, sondern konzentrieren uns auf bestimmte Ziele. Ich kann ihnen zur RAG nichts sagen, weil wir dieses Thema nicht untersucht haben.

Die EU macht beim so genannten „ownership unbundling“ Druck – also der Trennung von Energieerzeugung und den Transportnetzen. Das dürfte doch besonders ihr Geschäftsmodell treffen?

Wir sind überrascht, dass so eine Idee in einer so genannten entwickelten Marktwirtschaft entsteht, weil sie einem wirtschaftlichen Grundsatz widerspricht, nämlich dass der Produzent das Recht hat, sein Produkt direkt an den Kunden auszuliefern. Wenn man nicht mehr erlaubt, dass dies auf einem kommerziell wie technologisch sicheren Weg geschieht, ist das ein etwas merkwürdiger Ansatz, besonders wenn Milliarden von Dollar in die Produktion und den Vertrieb investiert wurden, um den Markt überhaupt zu schaffen. Daneben fragen wir immer: Wer soll denn die Aufgaben übernehmen? Dazu gibt es keine klare Antwort. Werden das kleine Firmen sein, die finanziell nicht die Möglichkeiten haben, ihr Geschäft richtig zu entwickeln? Oder ein neues Enron? Eine echte Liberalisierung ist das jedenfalls nicht, eher das Gegenteil mit mehr staatlicher Verwaltung.

Andersherum ist auch Russlands Energiemarkt nicht gerade ein offenes Feld. So muss zum Beispiel TNK-BP um seine Förderlizenz für das Kowikta-Feld bangen, nur weil man sich nicht mit Gazprom über den Export des Gases einigen kann.

So ist das nicht. TNK-BP hat so weit ich weiß, Probleme damit, die Auflagen der Lizenz zu erfüllen – mit uns hat das nichts zu tun. Der Minister für natürliche Ressourcen ist alleine dafür zuständig. Wir haben mit TNK-BP verschiedene Optionen geprüft, wie wir das Projekt gemeinsam entwickeln können. Das hat überhaupt nichts mit der Lizenz zu tun. Vergessen sie nicht, dass Gazprom nur 60 Prozent des russischen Gasmarktes kontrolliert, der Rest sind unabhängige Produzenten und die Ölkonzerne. Wir werden zudem in Russland die Gaspreise liberalisieren und das wird Produzenten die Möglichkeit eröffnen, profitabel Gas zu fördern, unabhängig davon, ob sie das Gas auch exportieren.

Seite 1:

„Unser Kerngeschäft ist Energie“

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%